Das entging auch den Kleinen nicht, die bedeutsame Blicke wechselten. Anouk war auf dem Weg zu sich selbst. Der wesentliche Teil der Kitzeltherapie bestand darin, Anouk zum Lachen zu bringen, ihr Zwerchfell zu trainieren. Darum fanden die Kitzeleien mit gespieltem Ernst statt. Die Männer gaben sich seriös, wie Forscher, und es war unumgänglich, dass Anouk losprustete. Selbstvergessen in ihrem Lachen spürte sie nicht, dass die eine oder andere Hand sich doch sehr stark der Stelle näherte, an der ihre schlanken Schenkel zusammentrafen. Mit Mühe unterdrückten die Kleinen ihre aufkeimende Lüsternheit. Alle Schwänze waren prall und erregt, aber sorgsam unter weiten, weissen Beinkleidern versteckt. Anouk sollte davon erst in einer späteren Therapiephase etwas mitbekommen.
Nach solchen Therapie-Sessions liess sie sich erschöpft in ihr Bett sinken, und das Letzte, was sie sah, war die weitgreifende Hügelkette, die ihre Seele wärmte. Ausserhalb der festgelegten Tagesstruktur, zwischen Frühstück, Krankengymnastik und Musiktherapie war Anouk verhältnismässig viel Freizeit beschieden. Niemand erachtete es als therapeutisch sinnvoll, die Tage, die Anouk am Magerberg verbrachte, ausschliesslich mit Terminen zu füllen. So konnte sie ausgedehnte Spaziergänge unternehmen, sich in den hauseigenen Whirlpool setzen oder die Bibliothek besuchen, die jedem Kloster zur Ehre gereicht hätte.
Anouk hatte aber nicht nur einen Geist und eine Seele, sondern auch einen verlangenden Körper. Mehrere Beziehungen waren gescheitert, sie hatte sich den Männern hingegeben, sehnsuchtsvoll, anschmiegsam, offen, aber dann leider doch den einen oder andern Stromstoss erfahren müssen. Einst war Anouk eine sinnliche Frau gewesen, nun aber, ihrer Jugend zum Trotz, fast schon etwas verbittert und spröde.
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