Anspannung

Ob das gut geht? – Teil 22

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Anspannung

Anspannung

Jo Diarist

Sie liegt halb auf mir, ihr rechtes Bein angewinkelt über meine gelegt. Ihr Kopf auf meiner Schulter, das Haar kitzelt in meinem Gesicht.
Ich streiche es sanft zur Seite, verändere aber die Lage nicht.
Ruhe kehrt ein. Gleichmäßige Atemzüge, obwohl ich merke, dass Lisa nicht schläft.
Ab und zu streicht ihre Hand zart über meine Brust, was ich mit einem sanften Drücken beantworte.
Lange währt das aber nicht. Der Wein – ich habe einiges mehr getrunken als Lisa – tut seine Wirkung und verstärkt die Mattigkeit, die mich durch den angespannten Tag beherrscht. Ich schlummere ein.
Von den unruhigen Bewegungen Lisas werde ich munter. Immer wieder zuckt ihr Körper und leises Stöhnen entweicht ihren Lippen.
Sanft streiche ich ihr übers Haar, küsse sie auf die Stirn und sie wird wieder ruhig. Beide schlummern wir wieder ein, bis sich das Spiel wiederholt, doch diesmal hilft es nicht, sie zu streicheln. Ihre Bewegungen werden immer fahriger und bald schreckt sie mit einem dumpfen Laut aus dem Traum auf.
Ihr hämmerndes Herz kann ich deutlich spüren. Der Atem geht keuchend.
„Was ist, hast du schlecht geträumt?“, frage ich leise.
„Ja“, kommt es mit zitternder Stimme von ihr.
„Es war furchtbar. Wir waren in der Akademie, aber die war viel größer, als ich sie kannte. Da gab es Gänge und riesige Hörsäle. Wir saßen nebeneinander in einer Vorlesung, die gar nicht zu unserem Unterricht gepasst hat. Wir wollten raus und auf dem Flur war ich plötzlich allein. Ich konnte dich nicht mehr finden und bin durch endlose Gänge, volle Hörsäle und Schulzimmer gehastet. Aber du warst weg. Keiner konnte mir sagen, wo du bist, und ich fand auch keinen Weg aus der Akademie. Ich war gefangen und voller Angst. Furcht, dich zu verlieren und nie mehr da rauszukommen, wurde übermächtig.“

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