Wenn kein Platzregen kommt und das Weiß herabwäscht, bis darunter die roten Mauern hervorlugen, als habe man ein Lamm darauf geschlachtet. In Blut, Schweiß und Schmerz den Leib aufgerissen, und sich gesättigt an den Geweiden.
Wie beim Fällen eines Baumes, der einen Winter lang die Kammer heizt, aber eines Menschen Leben lang sommers Schatten gespendet hätte. Doch wer kälteknirschend Rosies Lager besucht, glaubt nicht an Wärme, goldene Früchte am Ende der Reifezeit, sondern beißt in saure Äpfel, weil er jetzt hungrig ist und den Wechsel der Jahreszeiten nicht erwarten kann. Bis im letzten Winter seine Kraft nicht genügt, um auch den verlebtesten Stamm noch zu fällen, und er den Tagen nachtrauert, in denen er versäumt hat, links und rechts seines Weges zu schlagen, was Holz war, um sich so zu beweisen, dass Muskeln immer noch mehr zählen als Frauenleiber. Er hält seine Tränen zurück, wenn der Arzt ihm sagt:
«Es ist ein Junge; Ihre Frau hat einem Jungen das Leben geschenkt.», er zündet sich höchstens eine neue Zigarette an.
Und statt hinzueilen ans Kindbett seiner Gemahlin, um ihr die Wangen zu küssen, sie bei den Händen zu nehmen und den neugeborenen Sohn voll Stolz in luftige Höhe zu heben, zog es ihn zu Rosie hin, an deren Busen er sich freuen und er weinen konnte vor Glück über das Geschenk einer Familie, die nun Zeugnis ablegen würde über seine Kraft, Sein Wort befolgt zu haben:
«Seid furchtbar und mehret euch.»
Und während er mit Rosie eine dunkelrote Kirsche teilte und sie den vergifteten Teil essen hieß, träumte er davon, ihren gläsernen Sarg zu öffnen und sie in seine Wirklichkeit zu küssen. In diesen Augenblicken hasste sie ihn, weil er die goldenen Bälle zurückbrachte, die sie beim Spielen an verbotenen Brunnen hatte hineinfallen lassen. Sie hasste ebendiese unergründlichen Tiefbrunnen und die kirschdunkle Frucht, die er zwischen ihren Lippen versenkte, in seinem Wahn, ihr die Augen auch noch in hundert Jahren öffnen zu können durch seine bloße Anwesenheit. Denn sie glaubte nicht mehr an Märchen und er war auch nicht ihr Prinz.
Astarte
2 4-7 Minuten 0 Kommentare
Astarte
Zugriffe gesamt: 4042
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.