Atem im Dreivierteltakt

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Atem im Dreivierteltakt

Atem im Dreivierteltakt

Leni Trattner

Ich wollte mich fest auf die Choreographie konzentrieren, auf meinen Tanzpartner, aber es ging nicht. Stattdessen ließ ich meinen Blick schweifen – in der Hoffnung, ihn zu sehen. Und er war auch wirklich da. Stand am Rand, ganz ruhig, Arme verschränkt, Blick unbewegt auf uns gerichtet, als warte er nicht auf die Balletttänzer, sondern auf etwas Unsichtbares. Kein Lächeln, kein Nicken zu den anderen – nur diese ruhige Wachsamkeit, die die Luft dicker machte. Auch wenn ich mit dem Rücken zu ihm stand, konnte ich fühlen, wie sein Blick auf mir lag – und es fühlte sich fast wie eine Berührung an. Nein, sogar intensiver. Später, als die Probe endete, kam er näher, ging an mir vorbei, streifte mit seinen langen, zarten Fingern kurz über meinen Handrücken.
„Bis zum Ball,“ sagte er schlicht, ohne dabei die Miene zu verziehen.
Ich nickte, unfähig zu antworten.
Draußen schnitt mir der Winterwind ins Gesicht. Ich ging über den Karlsplatz nach Hause, der Schnee knirschte unter meinen Absätzen, und in mir hatte sich etwas eingenistet – Erwartung, Neugier, vielleicht auch Furcht. Auf jeden Fall der Wunsch, dass diese Begegnung zu etwas wird, was auch wirklich das Prädikat «unvergesslich» verdient.
Am Tag des Balls war ich angespannt. Ich redete mir ein, es läge daran, dass ich bald meinen großen Auftritt hätte. Aber es war nicht diese Art von Spannung. Es war eher, als wüsste ich, dass etwas Neues bevorstand. Etwas, das sich nicht planen ließ. Über das ich keine Kontrolle hätte.
Ich bereitete mich vor, ohne Eile, fast wie in einem Ritual. Ich packte meine Tanzschuhe, legte das Kleid bereit, faltete die weißen Handschuhe. Nahm mir Zeit, mein Make-up zu machen, verbrachte fast eine Stunde damit, meine Haare erst einzudrehen und dann aufzustecken. Legte etwas Parfum auf.

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