Wir gingen schweigend nebeneinander her, beide mit einem fast ernsten Gang in diesem ausgelassenen Treiben. Durch Korridore voll Stimmen, vorbei an Spiegeln, dann an Jacken, dann nur noch durch die Stille. Er kannte das Gebäude gut, wählte einen Seitengang, der ins Halbdunkel führte. Eine Tür – vielleicht war es Zufall, vielleicht nicht – stand offen. Wir traten ein, und die Realität blieb draußen.
Eine Weile sahen wir uns nur an. Ich war mir meiner Selbst plötzlich ganz bewusst: der kalten Luft auf meinen nackten Schultern, der Wärme seines Körpers mir gegenüber. Sein Blick ruhte ruhig auf mir, ohne Eile, ohne suchende Unruhe. Es war, als prüfe er mich, ohne mich in Frage zu stellen.
Dann trat er näher.
Seine Hände zögerten keinen Augenblick. Sie legten sich an meinen Rücken, glitten die Bahn von den Schulterblättern hinab zur Taille. Unter seinen Fingerspitzen spannte meine Haut sich an. Ich schloss die Augen, ließ den Kopf nach hinten sinken, und in diesem Moment verstand ich, dass keine Aufregung mehr in mir war. Nur dieses Ziehen tief in meinem Inneren, das Verlangen.
Sein Atem strich über meinen Hals, warm gegen die Kühle des Raums. Er roch nach Haut, leicht nach Schweiß und ein Hauch von Seife. Ich spürte, wie er näher rückte, wie sein Brustkorb sich ruhig hob und senkte. So ruhig. Kein hastiges Drängen, nur eine selbstverständliche Annäherung. Seine Lippen berührten zuerst kaum meine Haut, eher ein Streifen, ein Test; dann legten sie sich fester an die Stelle zwischen Hals und Schulter, saugten, ließen wieder los.
Seine Hände fanden nun meine Taille, drehten mich langsam, als wäre ich wieder eine Figur im Tanz. Aber es war keine einstudierte Choreographie, es war einfach die Magie der Bewegung, eine Konversation des Körperlichen.
Atem im Dreivierteltakt
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Atem im Dreivierteltakt
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