Atem im Dreivierteltakt

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Atem im Dreivierteltakt

Atem im Dreivierteltakt

Leni Trattner

„Wenn du nicht willst, sag es jetzt“, murmelte er, sein Mund an meinem Ohr, seine Stimme so ruhig, als spräche er einen Takt an.
„Ich will“, hörte ich mich sagen, heiser, ohne jeden Schmuck.
Als er in mich drang, geschah es ohne Hast. Er schob sich tief in mich, Zentimeter für Zentimeter, bis mein Körper ihn ganz aufgenommen hatte. Es war, als hätte ich diese Fülle gekannt, bevor ich sie erlebte, als hätte etwas in mir auf genau diese Spannung gewartet: die Dehnung, das Brennen, das sich im nächsten Moment in reine Wärme verwandelte. Ich atmete scharf ein, hielt den Atem einen Augenblick, spürte, wie mein Inneres sich um ihn schloss.
Unsere Bewegungen fanden ihren eigenen Rhythmus, ein neues Metrum, das nichts mehr mit Walzer zu tun hatte – und doch dieselbe Eleganz trug. Er stieß nicht wild, sondern ruhig, fast taktvoll. Zu Beginn blieb er einfach tief in mir, bewegte nur die Hüfte, minimal, dann zog er sich ebenso gemessen wieder ein Stück zurück. Mein Körper begann, sich ihm anzupassen, seinen Takt zu erahnen. Ich kam ihm entgegen, drückte mich ihm entgegen, suchte ihn mit einem Drängen, das mich selbst überraschte.
Der Stoff meines Kleides rutschte an meinen Hüften hoch, sammelte sich zwischen uns, wurde Teil der Reibung. Seine Hände lagen fest an meinem Becken, lenkten mich, hielten mich auf der Höhe, in der er mich haben wollte. Ich fühlte jede Muskelfaser in seinen Unterarmen, die Ruhe in seinem Griff, diese Stärke.
Der Raum roch nach uns. Durch die Tür drang gedämpft Musik, ein fröhlicher Walzer. Doch ich hörte ihn kaum. Ich hörte etwas anderes: mein eigenes Atmen, schnell und unregelmäßig, als müsse es die Stille füllen. Sein Atem dagegen blieb nah, warm an meinem Gesicht, ruhig, nur manchmal ein tieferes Ausatmen, wenn ich mich im richtigen Moment gegen ihn presste.

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