Seine Lippen fanden meinen Mund, nicht gierig, sondern fordernd. Er küsste mich so, wie er sich bewegte: bestimmt, ohne Spielerei. Meine Hände suchten seine nackte Haut unter dem Stoff, glitten über seinen Rücken, spürten, wie die Muskeln sich unter meinen Fingern anspannten. Doch vor allem spürte ich, wie etwas in mir aufbaute. Wie mein ganzer Körper drauf und dran war, zu kommen. Und noch bevor ich darüber überrascht sein konnte, dass er es innerhalb so kurzer Zeit geschafft hatte, meinen Körper so zu erregen, rollte der Orgasmus über mich herein, unaufhaltsam.
Ich konnte nicht leise bleiben. Ein Laut, halb Schluchzen, halb Stöhnen, löste sich aus mir. Meine Finger griffen fester zu, ich wollte ihn einfach festhalten. Oder mich selbst halten. Ich hatte keine Kontrolle mehr, verlor den Takt, gab mich der Lust hin, die mich durchzuckte. Und vertraute, dass er für mich da sein würde.
Und das war er. Er hielt mich, ließ nicht nach, nicht, bis sein eigener Atem schwerer wurde. Seine Bewegungen wurden minimal schneller, aber waren immer noch kontrolliert. Ich spürte, wie sein Körper sich anspannte, wie sein Griff fester wurde, wie er noch tiefer in mich einzudringen schien.
Als er kam, geschah es mit einem einzigen, tiefen Stoß, mit einem erstickten Laut an meinem Hals. Unser Rhythmus brach, fiel zusammen, löste sich in Erschöpfung auf.
Eine Zeit lang lehnten wir aneinander, ohne uns zu rühren. Mein Herz schlug gegen seine Brust, unruhig, während sein Puls langsam wieder zur Ruhe fand. Ich hörte nur unser Atmen, spürte, wie seine Hände noch immer an meinen Hüften lagen, als müssten sie sich vergewissern, dass ich noch da war.
Er strich mir eine Strähne hinters Ohr, ein letzter, fast zärtlicher Reflex. Dann trat er einen Schritt zurück, ließ mein Kleid wieder fallen, strich den Stoff glatt, als setze er eine Szene zurück auf Anfang.
„Du solltest zurückgehen“, flüsterte er schließlich.
Ich nickte. Wir richteten unsere Kleidung, jeder wieder in Schweigen – er in Schwarz, ich in Weiß. Als ich an der Tür stand, sah ich ihn noch einmal an. Es war kein Abschied, eher ein Innehalten. Ich wusste, dass ich ihn wiedersehen wollte, ohne zu wissen, ob man so etwas wirklich wiederholen kann. Manche Nächte enden so vollkommen, dass sie nur einmal geschehen dürfen.
Als ich in den Saal zurückkehrte, empfingen mich Musik, Lachen, der Glanz unzähliger Lichter. Ich nahm wieder meinen Platz an der Bar ein, wartete auf meinen Tanzpartner, der sicherlich bald erneut auftauchen würde. Und doch, ich spürte ihn überall – in meinem Atem, in der Bewegung meiner Arme, sicherlich auch im Takt des nächsten Walzers, den ich tanzen würde.
Atem im Dreivierteltakt
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Atem im Dreivierteltakt
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