Sie, eine reife, schlanke, dunkelhäutige Frau mit wallender Haarmähne und in einem bodenlangen, roten Kleid hielt ein Funkmikrofon in der Hand und sang. Sie hielt sich jedoch nicht nur auf der kleinen Bühne auf, sondern ging im Raum umher und versuchte die Leute zum Tanzen zu animieren, aber es war ja kaum jemand da, den sie hätte animieren können.
Er setzte sich in die Nähe des Podiums, bestellte ein Bier und lauschte der Musik. Die Frau war anscheinend erfreut, dass noch ein Gast gekommen war. Einer der sich für ihre Kunst interessierte, der aufmerksam zuhörte, sich nicht ablenken ließ und dessen Augen sie auf Schritt und Tritt verfolgten. Nach dem zweiten Lied trat sie an seinen Tisch und raunte ihm zu, dass sie das nächste Chanson für ihn, nur für ihn singen würde. „Besame mucho“, die einschmeichelnde Musik erklang ganz leise. „Besame mucho como si fuera esta noche la ultima vez.” Sie umkreiste ihn, suggerierte ihm mit rauer Stimme, dass ihre Küsse ihn nur noch in dieser Nacht betören würden. Dann setzte sie sich auf seinen Schoß und hauchte ihm ins Ohr: „Besame, besame mucho, que tengo miedo a perderte, perderte despues.“ Auf eindringliche Weise übermittelte sie ihm die Angst, ihn nach dieser ersten und letzten gemeinsamen Nacht zu verlieren. Er war gerührt. Sie erhob sich lächelnd und sagte, dass sie nun ein Lied singen werde, das nicht zu ihrem Programm gehöre, ein Lied, das sie und ihr Partner, sie sagte, mein Partner und nicht mein Mann, selbst komponiert und getextet hätten und das sie nur zu besonderen Gelegenheiten und nur für besondere Personen vortragen würde. Er verstand den Text nicht und auch die Musik war nicht ganz sein Fall, aber er spendete lebhaft Applaus und fragte, ob er die beiden als Dankeschön zu einem Getränk einladen und auch noch ein Foto von ihnen machen dürfe. Er durfte beides und er machte mehr als nur ein Foto.
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