Er verabschiedete sich von der cantante sehr herzlich. Sie gaben sich Küsschen auf die Wangen und er drückte ihr einen Geldschein in die Hand, was sie veranlasste, seine Hand lange, sehr lange festzuhalten. Er war schon im Gehen, als ihm einfiel, dass er keine Ahnung hatte, woher die beiden eigentlich kamen. Er dreht sich noch einmal zu ihr um und fragte, ob sie aus Argentinien kämen, der Tangos wegen. Nein, aus Kuba, war die Antwort und er meinte, dass er darauf selbst hätte kommen können, bei all den kubanischen Titeln, die sie gesungen hatte. Sie lebten aber schon lange in Europa, erklärte sie noch und sie seien ständig unterwegs, in Clubs, in Bars, auf Festivals. Ein Nomadenleben. Vielleicht würden sie sich ja irgendwo noch einmal begegnen, und wenn er wolle, könne er ihre Telefonnummer haben. Sie tauschten ihre Nummern aus, aber er rief sie auch nie an und sie rief ihn nie an und der Charme der Begegnung verblasste und die Erinnerung tauchte nur noch dann auf, wenn er romantische kubanische Lieder hörte.
Geschenk für eine Krankenschwester
Nach dem herzlichen Abschied ging er tatsächlich zurück in sein Hotel, in das altmodische Grand Hotel mit seinem nostalgischen Ambiente, mit der pompösen Eingangshalle, den Fresken an den Wänden und einem Fahrstuhl mit schmiedeeisernem Gitter. Aber er war noch nicht müde. Die exotische Sängerin mit ihrer warmen, einschmeichelnden, erotischen Stimme, mit ihrer sinnlichen, körperlichen Nähe und ihrer lasziven Ausstrahlung hatte ihn so angetörnt, dass er beschloss, noch einen Abstecher an die Bar zu machen. Er brauchte noch etwas Abkühlung, etwas Distanz, einen Absacker, um ruhig einschlafen zu können. Auch hier, in der Bar, war nur wenig los, ein Pärchen beim Tête-à-tête, ein ebenfalls gelangweilter Barkeeper und dann war da noch eine Frau, eine einsame Frau, die auf einem der Barhocker saß und ein fast leeres Cocktailglas vor sich stehen hatte.
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