Das Gespräch plätscherte wieder eine Weile dahin und er erfuhr zu seinem Erstaunen, dass die seriöse Dame keineswegs eine Geschäftsfrau, sondern Krankenschwester von Beruf war und auch nicht im Hotel wohnte, sondern eine kleine Wohnung in der Stadt hatte. Er fragte sich um so mehr, was sie denn wohl hier mache, scheute sich aber, die Frage direkt an sie stellen, erhielt jedoch sehr bald eine Erklärung, allerdings nicht im Verlauf der nichtssagenden Unterhaltung. Diese trachtete er nach einiger Zeit zu beenden, denn der Alkohol und die wohlige Wärme der Bar hatten ihn schläfrig gemacht und er sehnte sich nach seinem Bett, nach dem breiten, weichen Doppelbett des Grand Hotels mit seinen schneeweißen, lavendelduftenden Laken und den nostalgischen Daunenkopfkissen. Er rief dem Barmann, der nach wie vor lustlos vor sich hinstarrte, zu, er solle das Bier und den Cocktail und auch noch ein Trinkgeld auf seine Zimmerrechnung setzen, Zimmer 125. Der Barmann nickte, tippte etwas in seine Kasse und gab ihm den Beleg zur Unterschrift. Die Frau hatte interessiert zugeschaut und zugehört, und als er ihr sagte, es sei Zeit für ihn, antwortete sie, ja es sei wohl Zeit für kleine Jungs,aber es sei schade, dass er schon gehen wolle. Und dann, ja dann fügte sie unvermittelt hinzu, was er davon halte, wenn sie ihn auf sein Zimmer begleite oder nachkomme, Zimmer 125, das war doch die Nummer, oder? Er war perplex. Was er von einem schönen gemeinsamen Ausklang des Tages halte, fuhr sie fort. Mit dieser Wendung der Dinge hatte er nicht gerechnet. Nein, damit nicht. Er stammelte verlegen herum, von wegen müde und morgen anstrengender Tag, sagte aber weder ja noch nein. Sie lächelte ihn nun sehr verführerisch an und wiederholte, dass sie sich doch noch einen schönen restlichen Abend zu zweit machen könnten, auf seinem Zimmer, ganz intim und dass er ihr nur ein kleines Geschenk geben solle: un petit cadeaux, C’est tout.
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