Er wusste beim besten Willen nicht, wie er reagieren sollte, stand auf, druckste noch verlegener herum als zuvor, sagte schließlich „bonne nuit“, verließ irritiert die Bar und die Frau und ging, leicht schwankend, in Richtung des schmiedeeisernen, nostalgischen Aufzugs. Die Frau war anscheinend über sein Verhalten gar nicht verwundert und rief ihm nach, dass sie also kommen würde.
In seinem Zimmer überlegte er sich, was er tun sollte, wenn sie ihre Androhung tatsächlich wahr machen würde. Die alte Angst vor Frauen war wieder da, die Angst mit einer Frau intim zu werden, verunsicherte ihn. Sein Mund war trocken und er schwitzte. Im Bad putzte er sich die Zähne, wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser ab und lauschte dabei angestrengt, um ein Klopfen an der Zimmertür nicht zu überhören. Sollte er sich jetzt ausziehen und ins Bett legen? Oder warten oder war das alles nur eine Illusion, ein Missverständnis? Hatte die Frau gar nicht gesagt, dass sie kommen wolle? War er schon so besoffen? Gerade als er beschloss, sich nun doch auszuziehen und hinzulegen, klopfte es leise an die Tür.
Unsicher öffnete er sie einen Spalt, als ob er nicht genau wüsste, wer draußen stand. Sie drückte die Tür sanft auf, schlüpfte ins Zimmer und schloss die Tür rasch hinter sich. Manchmal gäbe es Probleme, meinte sie zur Erklärung, wenn man die Hotelangestellten nicht genügend geschmiert habe und heute habe sie das noch nicht getan. Jetzt war sie plötzlich keine Geschäftsfrau mehr, keine Dame, sondern eine professionelle Nutte, die ihr Ziel fast erreicht hatte. Als Erstes legte sie ihre Jacke ab, dann stellte sie klar, was in ihren Augen ein kleines Geschenk sei. Er war erneut überrascht. Mit so viel hatte er nicht gerechnet. Sie sah ihn amüsiert an. Ob das zu viel für ihn sei? In einem teuren Hotel wohnen und teuer essen gehen, spottete sie, das könne er. Er habe sicher einiges liegen lassen müssen, im Chéz Maxim, pas vrai?
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