Bahnhofsmilieu

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Yupag Chinasky

Oder gehe er doch nur zu McDonald? Diese Stadt sei nun mal teuer, das wisse man doch und da dürfe er sich nicht so anstellen, wenn es um ein kleines Geschenk gehe. Dafür bekomme er ja schließlich auch einiges geboten. Sie sei gut und er würde es bestimmt nicht bereuen. Wenn er einen ganzen Abend mit ihr verbringen würde, mit Ausgehen und Essen und zum Abschluss noch einen längeren Besuch auf dem Zimmer, dann erst könnte es für ihn richtig teuer werden, dann erst hätte er Grund zum Jammern. Aber das, was sie jetzt von ihm wolle, sei dagegen nur ein Klacks. Er schluckte trocken und dachte angestrengt nach. Die Dame wieder hinaus zu komplimentieren, das ging ja wohl nicht, dazu war die Sache schon zu weit gediehen. Und, wenn er ehrlich war, er wollte es auch nicht, er wollte diese Gelegenheit, die sich ihm so überraschend geboten hatte, nutzen, obwohl er sich das andererseits nicht so recht eingestehen wollte. Schließlich nickte er aber doch und sie sagte „très bien“ und fügte hinzu, leider müsse sie auf Vorauskasse bestehen. Sie habe da ihre Erfahrungen, leider. Das sei nicht gegen ihn gerichtet, aber sie kenne ihn ja gar nicht. Beim nächsten Mal, sie sei überzeugt, dass sie sich noch öfters treffen würden, also beim nächsten Mal, habe sie mehr Vertrauen zu ihm und dann sei das leidige Finanzielle überhaupt kein Thema mehr. Während sie so dahin redete und ihm ihre Bedingungen nannte, ihm erklärte, was sie ihm für den Lohn bieten würde, sah sie sich kurz und routiniert im Zimmer um. Solche Zimmer waren wohl ihre Arbeitsstätte und boten ihr nichts Neues.

Dann streckte sie fordernd ihre Hand aus, während er immer noch halb gelähmt, halb verängstigt zwischen Zimmertür und Bett stand und diese Frau, diesen halb willkommenen, halb unwillkommenen Eindringling, nahezu dämlich anglotzte. „Alors, qu’est-ce que c’est?“ fragte sie gurrend.

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