Der Ball

Geschichten vom Anfang der Sinnlichkeit

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Der Ball

Der Ball

Stayhungry

Schon einige Male waren sich ihre Blicke begegnet, zunächst auf der Tanzfläche, wo es galt, in schwungvoller Bewegung nicht aneinander zu stoßen. Das konnte er besser steuern als der Dame häufigster Tanzpartner, wohl ihr Gatte. Angesiedelt am Tisch einer Gruppe verarmter Fachärzte, die sich über das alltägliche Leid unzureichender Honorierung mit edlen Alkoholika der gehobenen Preisklasse trösteten, wurde sie mit fortschreitender Zeit zwar noch von einigen Herren zum Tanz geführt, aber eben zunehmend weniger. Das war letztlich für die Mehrzahl der Männer immer die Entscheidung: das Tanzbein zu schwingen oder ein solides Fundament für den Kater des nächsten Tages zu legen. Obwohl ruhig und beherrscht, war der Dame eine gewisse Verärgerung. zumindest Unzufriedenheit anzumerken, denn die Heiterkeit ihrer Logenrunde schien sie nicht vollumfänglich zu teilen.

Er konnte nicht anders, er drehte sich um nach ihr und sah ihr unverhohlen nach. Der Schwung ihrer Hüften nahm ihm den Atem, beengte seine Brust, jagte das Blut bis unter die Haarspitzen. Er warf einen kurzen prüfenden Blick zurück, doch niemand vermisste ihn.

Dann folgte er ihr.

*

Die Toilette im Keller war nur frequentiert in den Tanzpausen, wenn alle die Gelegenheit nutzten. Nun im heiß geliebten Discofox-Fieber strebten die wenigen Notdürftigen den Waschräumen des Erdgeschosses zu.

Sie stöckelte mit ausladenden Schritten den Gang entlang, vorbei an den Eingängen von Damen- und Herrentoilette. Hier gab es unter der Überschrift Privat einen Abgang von der obigen Bühne zu der Garderobe der Musiker und den zugehörigen Waschräumen. Dumpf hämmerte der Rhythmus der nur von wenigen verschmähten Stimmungsmusik nach unten, es würde wohl niemand nach unten kommen in den nächsten Minuten.

Sie öffnete die Tür und blickte wortlos über die Schulter zurück.

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