Dann würde sie noch, selbstverständlich hinter geschlossener Tür, ein wenig tröpfeln, die Zähne putzen und anschließend wohlig ins Beil hüpfen. Wenn er aus dem Badezimmer käme, wäre sie schon ins Land der Räume entwichen ….
* * *
Er tanzte ungern mit anderen. Zu sehr ähnelte dieses sinnliche Erlebnis mit Berührung, Nähe, Bewegung in gemeinsamem Rhythmus und blindem Verstehen jenem der liebenden Vereinigung. Den Tanz als Symbol und Verkörperung jener Leidenschaft hatte er ihr zu Liebe zu seiner Passion erwählt, auch, um ihr wieder öfter nah zu sein, sie zu berühren, im Arm zu halten, zu jener Zeit als das Elend begonnen hatte und sie zunehmend vor seiner Berührung zurückgewichen war.
Allein, sie liebte den Tanz bald mehr als die wahre Intimität und bitter war die Erkenntnis, dass seinem Sehnen selten und nicht in einem befreienden Ausmaß entsprochen wurde. Nun heißt es in Filmen, Literatur und Ratgebern gerne mal, der Mann solle bei Vernachlässigung in erotischer Hinsicht seine Gefühle offenbaren, sich nicht in Arbeit, Sport oder Alkohol flüchten, sondern reden, Emotionen zeigen, durchaus auch einmal Arger.
Das ist selbstverständlich gelogen und wird nur so als Konter gesetzt, weil zwischen Mann und Frau gemeinhin die Rollenverteilung so sei, dass Frauen das Gespräch suchten, um einander näher zu kommen, Männer hierzu jedoch unfähig seinen. Allein aus dieser männlichen Sprachlosigkeit werden dann weibliche Unlustphasen erklärt, die sich im gegenteiligen Fall in Luft auflösen sollen, weil die Frauen sich dann selbstverständlich ihren, nun gefühlvoll geläuterten Männern wieder erotisch zuwenden würden, so als hätten sie sehnsüchtigst nur auf eine Gelegenheit gewartet.
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