Baltimore und nordostwärts

Nach dem großen Sterben – Die Bruderschaft

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Baltimore und nordostwärts

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Reinhard Baer

So etwas wurde mittlerweile in kleinen Mengen wiederhergestellt, durfte aber in die nicht befriedeten Gebiete nicht ausgeführt werden und war daher dort besonders begehrt. Ich legte noch ein paar Sachen aus meinem alten Standardsortiment aus Händlerzeiten dazu, z. B. dänische Western-Heftchen. Als ich einen Moment nicht hinschaute, hatten die beiden jungen Ladies eines der Hefte von seiner Kunststoff-Schutzfolie befreit und blätterten es kichernd durch. Ich ließ sie gewähren, jeder Moment der Unbeschwertheit war ein guter Moment.

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Dann ging es los. Wir saßen auf, nachdem sich Kris und Emma eine ganze Zeit innig umarmt hatten. Sie gingen sehr liebevoll miteinander um, das war mir schon mehrfach aufgefallen.

Dann verließen wir das Öllager-Gelände. Emma und einige andere schauten uns lange nach.
Ab jetzt waren wir auf uns allein gestellt. Alle Absprachen mit Terry hatten wir auswendig gelernt, denn wir durften keine kompromittierenden Aufzeichnungen bei uns führen, falls wir mal durchsucht würden.

Wir würden als Händler getarnt Richtung Rhode Island vorstoßen. Unser erstes Ziel war James Town auf Conanicut Island, der Keimzelle des damaligen britischen Kolonialreiches in der Neuen Welt und jetzt angeblich das Headquarter der Arschgeigen, die Rhode Island in die brutale Version eines Mittelalters gestoßen haben sollten. Sollten wir da nicht erfolgreich sein, würden wir improvisieren müssen. Terry verabschiedete uns offiziell und steckte mir noch einen Bündel New$ zu. Reisespesen. Wie ich später feststellte, waren es 100 New-Dollar.

Kris war ein bisschen aufgeregt, denn es war ihr erster Außeneinsatz. Aber sie war nicht ängstlich. Sie konnte sicher mit ihrer Winchester umgehen und trug eine SIG Sauer P320 in einem Holster am Gürtel. Beide hatten wir eine Machete in einer Lederscheide an der Flanke unserer Pferde hängen. Bis zur ehemaligen Grenze des Bundesstaates waren es nur 16 Meilen. Die Verbrecher interessierten sich natürlich nicht für alte Grenzen, aber irgendwo hier sollte sich nach den Schilderungen früherer Beobachtermissionen die alte Ordnung komplett auflösen. Ab und an begegneten wir finsteren Gestalten, die uns aber, ohne Schwierigkeiten zu bereiten, des Weges ziehen ließen. Die Gegenden und Ortschaften, die wir durchquerten, waren annähernd menschenleer. Selten sahen wir einen Einwohner und vereinzelt ein paar Donalds; ab und an war irgendwo weit weg eine Schießerei – das war’s.
Nach einem halben Tag hatten wir die ehemalige Grenze bei Westerly erreicht und betraten den vormaligen Bundesstaat Rhode Island.

Nun durchritten wir einige Meilen, ohne überhaupt auf Leben zu stoßen, von Donalds mal abgesehen, aber die kann man ja nicht zum Leben zählen. Nein, ich meine Einwohner auf Farmen oder in kleinen Dörfern. Nichts, nada, niente! Nicht mal auf Farmen oder in Dörfern. Wenn mal ein Gebäude vorhanden gewesen war, lag es nun als Brandruine da. Es wirkte so, als ob es einen Streifen wüsten Landes um die Grenze, wo immer die liegen mochte, gab.

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