Bargeflüster

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Bargeflüster

Bargeflüster

Yupag Chinasky

Auch hier war der Fußboden, richtiges Parkett, im Laufe der Jahre abgetreten, unansehnlich und fleckig geworden, besonders da, wo vermutlich die kleine Tanzfläche war. Die Decke aus rustikalen Balken war für den Raum viel zu niedrig und durch den Rauch ganz dunkel, schon fast schwarz geworden. Zwei kleine Fenster, die sich wegen der Lage im Souterrain ziemlich weit oben befanden, vermittelten den Eindruck einer häuslichen Kellerbar, eines Hobbyraums für private Geselligkeiten. Auch hier schmückten Tapeten die Wände, auch diese äußerst einfallslos und altmodisch: sich abwechselnde dünne Streifen aus kitschigem Rosa und langweiligem Ocker. Und auch hier, wie schon von dem alten Gauthart erwähnt, dieselben langweiligen, gerahmten Photographien wie im Foyer. Ein Ende des Raums beherrschte ein gemauerter, offener Kamin aus rötlichen Ziegelsteinen. Davor standen Sessel mit rotem Lederbezug und ein schmales, ebenfalls rot ledernes Sofa, dazu gehörten niedrige, schwarze Tischchen und als Raumschmuck ein paar einsame Blumenkübel, in denen zwar immer noch Erde, aber schon lange keine Blumen mehr waren. Am anderen Ende des Raums, getrennt durch die Tanzfläche, die Theke, die für den kleinen Raum viel zu groß, viel zu wuchtig, viel zu dunkel war, genauso wie das Regal dahinter, in dem einige Flaschen und eine Menge Gläser standen. Um den Raum optisch zu vergrößern waren vor der Theke Spiegel angebracht, die dazu führten, dass sich die Anzahl der Barhocker verdoppelte. Rot und Schwarz, das waren die dominierenden Farben in dem Etablissement. Eine Bar musste rot sein, einen Anflug von Rotlichtmilieu haben, an Halbwelt, Puff und verklemmte Erotik erinnern und auch schwarz, wie die Sünde und die ungestillten Triebe. Auch die Vergnügungsmeile des noblen Hotels war nicht mehr zeitgemäß und insgesamt ziemlich herunterkommen und das nicht nur, was das Aussehen betraf.

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