Bargeflüster

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Bargeflüster

Bargeflüster

Yupag Chinasky

Es müffelte, die Luft war stickig und säuerlich und man konnte immer noch den kalten Rauch wahrnehmen, obwohl schon längere Zeit hier niemand mehr geraucht hatte. Die Luft war genauso abgestanden, wie die Einrichtung, wie das Ambiente, wie das ganze Hotel. Lüften, Entrümpeln, neu streichen, ging es ihm durch den Kopf, das wäre hier angesagt, das könnte Wunder bewirken.

„Eigentlich mag ich diesen Raum nicht besonders“, meinte Ana wie zur Bestätigung seiner Gedanken. „Er sieht bescheuert aus, aber Onkel Theo wollte einfach kein Geld in die Modernisierung stecken. Die Bar wurde in letzter Zeit auch kaum noch genutzt, eigentlich nur noch von den Filmfuzzis. Es gibt aber noch einen Grund, warum ich sie nicht mag, weil ich nämlich keine guten Erinnerungen an diesen Ort habe, auch als er noch en vogue war. Hier in der Bar fanden ein paar Versuche statt, mit jemandem anzubandeln, jemanden für mich zu gewinnen. Sie endeten alle mehr oder weniger kläglich. Am liebsten hätte ich sie ausgeräumt, die Bar und damit die Erinnerungen gelöscht, aber das hätte auch nichts genützt, die Erinnerungen wären auf jeden Fall geblieben. Außerdem könnte es sein, dass auch in Zukunft vielleicht ein paar Filme hier im Hotel gedreht werden, selbst wenn es nun geschlossen wird, es wird ja nicht abgerissen und auch nicht verkauft. Für den Film war die antiquierte Einrichtung ideal, aber ob es sich lohnt, nur deswegen das Hotel zu erhalten, so wie es ist, ich weiß nicht. Aber was soll’s, schließlich kann mir das alles ziemlich egal sein, für mich ist das Kapitel „Grand Hotel“ weitgehend abgeschlossen und ob es noch einmal geöffnet wird, möchte ich stark bezweifeln. Das Filmen hat uns übrigens immer einen schönen Batzen Geld gebracht, ich glaube ich hatte das schon heute Nachmittag erwähnt. Der Produzent war von allem sehr angetan, von der Lage des Hotels, von seinem Ambiente, von der Kulisse, der Bergwelt und auch von uns, den Besitzern, die ihm die Arbeit ermöglicht hatten.

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