“ Bei einer Entdeckung würde sie ganz aus dem Häuschen geraten und laut rufen: „Hei, da oben sehe ich ja noch eine Flasche Lagavulin. Weißt du was das ist? Göttlicher Whisky, meine absolute Lieblingsmarke. Allein schon das Wort ist eine Offenbarung. Laa-gaa-vuu-lin! Single Malt vom Feinsten von der Insel Islay, nicht Island, Islay, im West von Schottland. Ich war mal da, vor Jahren und habe die Destillerie besichtigt. Die Zeit habe ich in angenehmer Erinnerung, in höchst angenehmer und seitdem mag ich das Gesöff. Den nehmen wir uns später vor.“ Doch mit der Suche nach harten Sachen würde sie nur wenig Zeit verplempern, denn die meiste Zeit würde sie reden, viel reden, fast pausenlos reden, aber das Nachschenken zwischendurch würde sie dennoch nicht vergessen und er würde irgendwann zu der Erkenntnis kommen, dass sein Glas immer voll und ihres immer leer sei. Er würde im Laufe des Abends staunen, dass eine Frau wie Ana, die zwar nicht elfenhaft zart, aber auch kein Flintenweib war, so harte Sachen, so ausdauernd und in solchen Mengen wegtrinken, ja geradezu wegsaufen konnte und trotzdem oder vielleicht nur deswegen, auch noch so viel reden konnte.
Doch noch hatte der Abend erst begonnen und das alles wusste er noch nicht, als Ana sich mit ihm und den beiden nachgefüllten Gläser vor den Kamin setzte, wieder vor einen leeren, toten, kalten Kamin und mit ihren Erzählungen begann oder, wenn man will, fortfuhr. Erst redete sie etwas stockend und zögerlich, als ob sie noch mehr Mut fassen, noch mehr Zutrauen erwerben müsste, als ob sie sich versichern müsste, dass ihr Gegenüber auch wirklich zuhörte oder dass er es wert war, zuzuhören.
Aber je mehr sie trank und je länger sie redete, desto flüssiger gingen ihr die Worte über die Lippen, desto detaillierter wurden ihre Beschreibungen, desto intimer die Themen und desto aufgekratzter wurde sie selbst.
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