Weil er der Gegenmannschaft der Rosaroten zugeteilt worden war, konnte er sie nun eingehend studieren. Majena, der Name wurde von den anderen in kritischen und euphorischen Situationen, das heißt nahezu ständig, gerufen, Majena machte öfters als die anderen einen Fehler, verpasste fast jede Annahme, vermasselte jeden zweiten Aufschlag und beim Block war sie, wegen ihrer geringen Körpergröße, ein totaler Ausfall. Es lag nicht selten an ihr, dass seine, also ihre gegnerische Mannschaft punktete und dann musste sie sich Vorwürfe anhören, die sie jedoch lachend, mit einem hellen, kehligen Lachen, an sich abprallen ließ. Die meisten Vorwürfe kamen von einem Wladimir, einem schwarzhaarigen, bärtigen, griesgrämigen Typ, der in allem das Gegenteil von Majena war. Er war lang und hager, sah ungepflegt und unappetitlich aus und spielte sehr gut. Er blockte perfekt, nahm noch die unmöglichsten Bälle an, und wenn er eine Angabe machte, brachte diese seiner Mannschaft fast immer einen Punkt. Ohne Wladimir wäre das Team der Rosaroten auf verlorenem Posten gestanden.
Für ihn, den Neuzugang, war der Spielverlauf fast bedeutungslos. Er war ein mittelmäßiger Spieler, dem ab und zu etwas Gutes gelang, der aber auch selten Anlass zur Enttäuschung bot, weil er das leistete, was die Mitspieler erwarteten und sich gut in ein Team einfügen konnte. Er wollte nicht brillieren, spielte daher oft selbstlos und mannschaftsdienlich. Das kam bei den Mitspielern gut an und er hatte durchaus Anteil, dass der Gegner immer wieder ins Hintertreffen geriet. Aber er hätte noch besser sein können. Seine Konzentration galt nicht den angeschnittenen Bällen, nicht der Blocksicherung und nicht dem effizienten Stellungsspiel, sie galt ausschließlich Majena und ihrem knappen rosa Kleid. Er stöhnte leise auf, wenn sie sich hochreckte und die Arme weit emporstreckte, um an einen Ball zu kommen.
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