Beachvolleyball

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Yupag Chinasky

„Punkt!“
„Wechsel!“
„Pass doch auf!“
„Aufschlag!“
„Block, ihr müsst besser blocken!“
„Touche, gilt nicht! Gilt doch, ich war nicht dran!“
„Der Ball war eindeutig im Aus!“
„Satzball“

Die Rufe und Kommandos schallten zu ihm herüber. Dazwischen Gelächter, Freudenschreie, enttäuschtes Aufstöhnen. Er lag im Schatten der hohen Pappeln und konnte sich auf „Das sexuelle Leben der Catherine M.“ nicht mehr konzentrieren, seit die Gruppe angefangen hatte, Volleyball zu spielen. Er stützte sich auf seine Ellenbogen und beobachtete die jungen Leute, in der Mehrzahl Männer, aber auch zwei, drei Frauen, die auf dem aufgeschütteten Sand herumhüpften und sich freiwillig dem Staub und der prallen Sonne aussetzten. Sie spielten nicht besonders gut, aber auch nicht wirklich schlecht, durchschnittliche Freizeitvolleyballer, die sich am Sonntag Nachmittag im Strandbad getroffen hatten. Lesen ging nicht mehr, dafür zuschauen. Um das Geschehen besser verfolgen zu können, setzte er sich und lehnte sich an einen der Baumstämme. Es waren, wie fast immer, nicht genügend Leute da, um zwei komplette Mannschaften zu bilden und langsam, aber stetig kam in ihm der Wunsch auf, mitzuspielen. Dieser Wunsch wurde ganz maßgeblich durch den Anblick einer jungen Frau genährt, die den auffälligsten Tupfer in der bunten Mischung bildete. Sie war wie ein großer, rosaroter Ball, der ständig hin und her hüpfte, auf und nieder sprang, über das Feld wuselte und sich deutlich sowohl optisch, von ihrem Aussehen, als auch akustisch, durch ihre ständigen lauten Rufe, von den Mitspielern abhob. Rosaroter Ball deshalb, weil ein sehr kompakter, sehr kurviger, partiell wabbeliger, insgesamt aber straffer Körper in einem sehr kurzen, sehr engen rosaroten Kleid steckte, das nichts von den Kurven und Rundungen, den Hügeln und Tälern ihrer Statur verbarg. Ihre Oberschenkel waren feste Säulen, die sich durch nichts erschüttern ließen, ihre Hüften und der Po bildeten den stabilen Kern der Kugel, ihr ansehnlicher, ständig hüpfender Busen bildete die ausgleichende Schwungmasse, um das Gleichgewicht zu halten und ihre kurzen, stämmigen Arme mit den Patschhänden waren unentwegt bemüht, den Ball, wenn er in ihre Nähe kam, zu baggern, zu schlagen und zu pritschen. Die Formen ihres Körpers zeichneten sich bis in kleine Details auf dem rosa Kleidchen ab, sowohl in den statischen Momenten, in denen sie nur da stand und auf den Ball wartete als auch in den dynamischen Phasen, wenn sie hektisch in das aktuelle Spielgeschehen eingriff. Man sah deutlich in der Mitte des leicht vorgewölbten Bauchs die Delle des Bauchnabels, auf den Halbkugeln ihrer Brüste die aufgerichteten Brustwarzen und am Ende des Rückens den Beginn der Falte, die ihre breiten Pobacken teilte und die dann in ihrem weiteren Verlauf durch den schmalen Stoffrest ihres Minikleids verborgen wurde. Sie war, so schätzte er aus der mäßigen Ferne, in der er sich befand, so gegen Ende zwanzig, drall und kompakt, aber durchaus schnell und beweglich. Ihre schöne, gebräunte Haut, von der man viel sah - Beine, Arme, Ausschnitt, Gesicht - befand sich in farblich perfekter Harmonie mit diesem kurzen, rosaroten Kleid. Ihr Gesicht war leider nur mäßig hübsch. Es war nicht gerade das wichtigste Pfund, mit dem sie wuchern konnte, aber hässlich war es beileibe auch nicht, nur etwas zu breit, zu flach, zu gemütlich. Eine Prise Frechheit hätte ihm gut getan. Das Bild einer auf ihre Weise attraktiven Frau wurde durch die dicken, dunkelblonden Haare abgerundet, die zu einem Pferdeschwanz gebunden waren, der ständig wippte, egal was sie tat. Er verguckte sich in sie in demselben Moment, in dem er sie sah und so war es ganz natürlich, dass er nach einer Weile des Beobachtens beschloss, sich an diese Frau heranzumachen, sie kennen zu lernen, um sie noch heute, an diesem schönen, sonnigen Tag, abzuschleppen. Wenn er das geschafft hätte, und dass er es schaffen würde, daran hegte er nicht den geringsten Zweifel, dann könnte er sich noch am selben Abend mit diesem rundum drallen, straffen Körper aus nächster Nähe befassen, im wahrsten Sinne des Wortes befassen, diese braune Haut streicheln, die Kurven und Rundungen ertasten und die Wärme spüren und genießen, wenn sie sich schlussendlich lustvoll aneinander schmiegen würden. Er wartete nicht länger, stand auf, schlenderte zu der Gruppe und wurde, nachdem der laufende Satz beendet war, als neuer Mitspieler gern aufgenommen.

Weil er der Gegenmannschaft der Rosaroten zugeteilt worden war, konnte er sie nun eingehend studieren. Majena, der Name wurde von den anderen in kritischen und euphorischen Situationen, das heißt nahezu ständig, gerufen, Majena machte öfters als die anderen einen Fehler, verpasste fast jede Annahme, vermasselte jeden zweiten Aufschlag und beim Block war sie, wegen ihrer geringen Körpergröße, ein totaler Ausfall. Es lag nicht selten an ihr, dass seine, also ihre gegnerische Mannschaft punktete und dann musste sie sich Vorwürfe anhören, die sie jedoch lachend, mit einem hellen, kehligen Lachen, an sich abprallen ließ. Die meisten Vorwürfe kamen von einem Wladimir, einem schwarzhaarigen, bärtigen, griesgrämigen Typ, der in allem das Gegenteil von Majena war. Er war lang und hager, sah ungepflegt und unappetitlich aus und spielte sehr gut. Er blockte perfekt, nahm noch die unmöglichsten Bälle an, und wenn er eine Angabe machte, brachte diese seiner Mannschaft fast immer einen Punkt. Ohne Wladimir wäre das Team der Rosaroten auf verlorenem Posten gestanden.

Für ihn, den Neuzugang, war der Spielverlauf fast bedeutungslos. Er war ein mittelmäßiger Spieler, dem ab und zu etwas Gutes gelang, der aber auch selten Anlass zur Enttäuschung bot, weil er das leistete, was die Mitspieler erwarteten und sich gut in ein Team einfügen konnte. Er wollte nicht brillieren, spielte daher oft selbstlos und mannschaftsdienlich. Das kam bei den Mitspielern gut an und er hatte durchaus Anteil, dass der Gegner immer wieder ins Hintertreffen geriet. Aber er hätte noch besser sein können. Seine Konzentration galt nicht den angeschnittenen Bällen, nicht der Blocksicherung und nicht dem effizienten Stellungsspiel, sie galt ausschließlich Majena und ihrem knappen rosa Kleid. Er stöhnte leise auf, wenn sie sich hochreckte und die Arme weit emporstreckte, um an einen Ball zu kommen. Er sah nur sie und nicht den Ball, wenn sie, bei einem ihrer vergeblichen Versuche zu blocken, einen viel zu kurzen Sprung am Netz wagte und alles an ihr bebte. Er achtete nicht mehr auf seine Mitspieler, wenn sie sich zur Ballannahme bereit machte: den Oberkörper vorgebeugt, die Arme vorgestreckt, den Po weit nach hinten gereckt. In diesen Situationen konnte sie ihre schwerste Waffe am effizientesten einsetzen und bei dem männlichen Teil der gegnerischen Mannschaft totale Verwirrung stiften. Wenn sie nämlich ihren formidablen, tiefen Ausschnitt dem Netz zuwandte und die Männer nur noch auf ihre beiden Halbkugeln, aber nicht mehr auf den Spielball achteten. Majena war, dank ihrer Anatomie und ihrer erotischen Ausstrahlung, die perfekte Ablenkungsmaschine. Die Spieler glotzten sie an und sahen nur noch Rosa, nur noch Rundungen, hüpfende, tanzende Brüste, eine wulstige Taille, breite Hüften und den deutlichen Bauch mit der Delle. Nur selten sahen sie in ihr angespanntes Gesicht, mit den hellen Augen und den fast fehlenden Brauen. Majena war, ehrlich gesagt, trotz ihrer eklatanten spielerischen Schwächen die effizienteste Spielerin ihrer Mannschaft. So manches Mal flog ein Ball, den einer der intensiven Gaffer noch gut hätte annehmen können, knapp neben ihm in den Sand und einige Bälle, die man problemlos hätte zurück schlagen können, landeten im Netz. Wenn Majena ihrerseits zum Schmettern ansetzte und einen kläglichen Hüpfer machte, drängte sich der Block überflüssigerweise dicht an das Netz, um ein Teilchen dieses magischen Körpers durch die Maschen hindurch zu berühren. Besonders faszinierend war es, wenn Majena immer und immer wieder und immer vergeblich versuchte, ihr kurzes Kleid etwas weiter nach unten zu ziehen, um ihre bordeauxrote Unterwäsche zu verbergen. Es war definitiv kein Bikini, den sie anhatte. Unten war es ein knappes Höschen mit bestickten Rändern, das man oft, sehr oft aufblitzen sah, oben ein knapper, mit Spitzen verzierter Büstenhalter, der ihren Busen in dem tief ausgeschnittenen rosa Kleid exzellent zur Geltung brachte, ihre Wunderwaffe.
Die meisten der Spieler in Majenas Team stammten aus einem osteuropäischen Land. Sie riefen sich auf Russisch oder Polnisch oder in irgendeiner anderen, ihm unbekannten slawischen Sprache Befehle, Flüche, Lob und Tadel zu, dazwischen tauchte sporadisch auch mal ein deutsches Wort auf. Am lautesten rief, am meisten zwitscherte und fast als Einzige lachte Majena ständig. Sie war nicht nur die Geheimwaffe zur Verwirrung des Gegners, sondern auch eine Motivationsbombe für die eigene Mannschaft. Sie war beständig lustig und sichtlich gut gelaunt und munterte ihre Mitspieler in verzweifelten Situationen immer wieder auf. Auf diese Weise gestaltete sie das Match, zwar ohne Ahnung von Taktik und Strategie und ohne spielerisches Können, allein durch ihre bloße Präsenz. Der letzte Satzball war erfolgreich, das Match entschieden, Majena jubelte. Die einen haderten, die anderen beglückwünschten sich. Man stand ein Weilchen zusammen, kritisierte einige Passagen, freute sich noch nachträglich über gelungene Spielzüge oder bedauerte verpasste Gelegenheiten. Der eine oder andere wurde für seine guten Einsätze gelobt und unterm Strich waren alle zufrieden. Alle waren auch müde, verstaubt und durstig und man ging gemeinsam zu dem Kiosk, der mit Reklametafeln für Eis, bunten Sonnenschirmen, Klappbänken und Brauereitischen zur Erholung einlud.

Er hatte, gleich nach Spielende, angefangen Majena anzubaggern, in dem er pausenlos auf sie einredete. Er lobte sie wegen der wenigen, erfolgreichen Aktionen, bewunderte ihre Flinkheit, rühmte ihr „überirdisches“ Reaktionsvermögen und bedankte sich, speziell bei ihr, dass er hatte mitspielen dürfen. Sie lachte, freute sich über seine Komplimente und antwortete in einem schwerfälligen Deutsch „ichch bin doch garr nicht gutt und das weißt du auch“. Am Kiosk fragte er sie, ob er ihr ein Wasser oder eine Limo oder ein Eis spendieren könne. Sie schüttelte den Kopf, schaute ihn schelmisch an und sagte „piwo“. Er bestellte ihr ein Bier und für sich ein Wasser. Sie setzte die Flasche sofort an und trank sie fast auf einen Zug leer. Denn lächelte sie wieder und sagte: „Danke serr.“ Er lächelte zurück und fragte, ob sie noch ein „piwo“ wolle, dabei starrte er unverhohlen auf ihre braune Haut mit den vielen kleinen Schweißperlen, auf den Pferdeschwanz, der endlich zur Ruhe gekommen war und natürlich auf ihre Rundungen und Wölbungen, auf ihren Ausschnitt, die kompakten Arme, die massiven Oberschenkel, den festen Po, dessen unteres Ende von dem rosaroten Kleid kaum verborgen wurde. Sie setzten sich auf eine der Brauereibänke und er rutschte immer dichter, immer näher an sie heran, bis er sich eng an sie schmiegte. Sie wollte ihn auf Distanz halten, aber das ging nicht, weil sie sonst von der Bank gefallen wäre. Sie konnte deshalb nicht vermeiden, dass er immer näher kam, aber sie schien auch nicht direkt etwas dagegen zu haben. Jedenfalls wehrte sie sich nicht deutlich, sagte nicht „nein, genug jetzt, bleib wo du bist“ und suchte sich auch keinen anderen Sitzplatz. Im Gegenteil, nach einer Weile kokettierte sie und machte ihrem aficionado schöne Augen, gurrte und lachte kehlig. Auch den anderen, die sich um den Kiosk geschart hatten, konnte nicht entgangen sein, wie er sie anstarrte, anmachte, ja geradezu anhimmelte und weiter heftig auf sie einredete, um endlich die angestrebte abendliche Verabredung unter Dach und Fach zu bringen. Dabei legte er seine Hand wie unbeabsichtigt erst auf ihren Arm, dann um ihre Taille und sein Oberschenkel drückte fest den ihren.
Einem jedenfalls war das Gebalze nicht entgangen, aber er sagte nichts, dafür handelte er. Wladimir beobachtete eine Weile dies Treiben, dann stellte er die halbleere Bierflasche auf den Tisch, stand auf, baute sich vor den beiden Schäkernden auf und verpasste ohne Vorwarnung, ohne ein klärendes Wort, ohne eine Frage zu stellen dem verliebten Geck einen Nasenstüber, der schon fast einer rechten Geraden entsprach. Verblüfft starrte dieser seinen Gegner an, den er bis jetzt als solchen gar nicht wahrgenommen hatte und der sich nun um so eindringlicher und eindeutiger bemerkbar gemacht hatte. Mit den Worten, „du Arsch, lass bloß deine dreckige Finger von diese Frau“, packte er Majena bei der Hand, zerrte sie von der Bank hoch und sie machten sich, unter dem betretenen Schweigen der anderen, auf den Weg zu ihrem Liegeplatz. Majena sagte kein Wort, drehte sich nicht um, ihr Körper wackelte, als sie sich bemühte, Anschluss an den davon stürmenden Wladimir zu halten. Mit der freien Hand versuchte sie, mehrfach vergebens, ihr rosa Kleid nach unten zu ziehen.

Der Geschlagene saß perplex da, merkte dann, dass etwas aus seiner Nase lief, fasste hin, sah, dass seine Finger rot geworden waren. Er stand auf, ging wortlos zurück zu seinem Buch und seinen Sachen, kramte in der Hose nach einem Taschentuch, hielt es sich an die blutende Nase und verfluchte den Tag.

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