Befreiung

Nach dem großen Sterben – Teil 23

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Reinhard Baer

Aber sie lebte noch wie man kleinen, fast unmerklichen Bewegungen entnehmen konnte. Mein Puls raste.

Eine von Sues Schlampen hob ein Megaphon an den Mund. „Wir haben Jill. Zieht ab und lasst und in Frieden. Wir versprechen Jill nicht zu töten. Sie wird nur als Gefangene in Ketten gelegt wie das bei uns üblich ist!“
Meine Gedanken überschlugen sich. Was war zu tun? Hatte Jill unseren Plan verraten? War er überhaupt noch durchführbar? War Nichtstun eine Option? Würde Sue Wort halten?“

Nein, das würde die Hexe sicher nicht, das war mir völlig klar. Und ob Jill unter der Misshandlung unsere Pläne offengelegt hatte oder nicht, war ziemlich unerheblich. Unser ausgeklügelter Plan würde uns nichts nutzen, wenn es schnell gehen musste. Und es musste schnell gehen! Sue war als äußerst impulsiv und sprunghaft bekannt. Wer weiß was sie zwischenzeitlich alles ausheckte!

Ich gab Anweisungen an Henry: „Beschäftige die Mistbande irgendwie, bis ich zurück bin. Lass ein paar Männer ab und zu sichtbar und geräuschvoll die Stellung wechseln, damit sie glauben wir wären alle hier. Wichtig ist auch, dass du hier mehr Betriebsamkeit vortäuscht als tatsächlich ist. Ich reite zu den Fahrzeugen und ziehe diese vor. Du gehst mit fast allen deinen Männern zur Straße und wartest auf die Fahrzeuge.“
Henry sah mich fragend an.
„Scheiß auf den Ursprungsplan, jetzt muss es schnell gehen. - Bin gleich zurück.“
Als ich weg ritt, sah ich wie Henry aus der Deckung trat, sich mit dem Rücken zur Siedlung hinhockte und genüsslich seinen Arsch entblößte. Die Botschaft an Sue war klar und deutlich.
Trotz aller Anspannung, der Angst um Jill, der Verantwortung für die Männer … ich musste unweigerlich ein wenig grinsen.

Ich schonte Smith nicht und galoppierte zu unserem Fahrzeugabstellplatz. Dampfend vor Schweiß kam meine treue Stute Smith bei den Fahrzeugen zum Halten. Während ich vom Pferd sprang, rief ich „Los Männer, auf! Wir brauchen die Fahrzeuge.“
Ich sprang in den Dogde, ließ aber dem Truck beim Anfahren den Vorrang und folgte genauso wie der zweite Pickup.
Wenig später hatten wir die 79 erreicht und dort die Stelle am Waldrand wo die meisten der schwerbewaffneten Männer auf uns warteten. Der Truck, wenn man ihn noch so nennen wollte, ähnelte mehr einem Ungetüm aus Endzeitszenarien des untergegangen Hollywood-Kinos als einem Lastwagen. An der Front hatten Marten und ich eine massive Stahlkonstruktion, ein Räumschild mit dem Hindernisse durchbrochen werden konnten, angeschweißt. Das Fahrerhaus - auch die Fenster - war bis auf relativ kleine Sichtschlitze für den Fahrer durch Stahlplatten verstärkt worden. Ebenso die Seitenwände, die von Marten und mir höher gezogen und gepanzert worden waren. Mehr als zwanzig Männer hatten jetzt auf der Ladefläche Schutz und durch Schlitze freies Schussfeld. Henry tauchte auf.

„Jetzt machen wir es eben auf die harte Tour! Lass aufsitzen! Du nimmst den einen Pickup und drei Männer, ich den anderen auch mit drei Männern. Wenn die Kavallerie das Tor durchbrochen hat, soll sie auf alles schießen was sich bewegt und wehrt. Wir fahren mit den Pickups durch zum Haupthaus, du zur Rückseite, ich nach vorne. Vermutlich haben sie dort Jill. Viel Glück.“

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