Ich fühlte mich so leicht, beinahe schwerelos und machte einen Schritt in Richtung der Tür. Doch eine innere Stimme zwang mich dazu, noch einmal stehen zu bleiben und mich zu meinem Krankenbett umzudrehen. Und dann sah ich es; dann sah ich mich, wie ich dort immer noch lag, eingegipst, in einem Stützkorsett und angeschlossen an die piepsenden Geräte und einen Tropf.
Eigenartigerweise erschrak ich nicht über diesen Anblick, sondern fühlte mich, ganz im Gegenteil, befreit; befreit vom Gefängnis dieses Körpers. Ich sah, dass er noch lebte, dieser Körper, der mir genauso fremd erschien, wie die Gesichter aus meinen Erinnerungen, die sich aufgelöst hatten. Die Geräte piepsten noch, der Tropf tropfte, der Körper lag im Bett und atmete. Und ich stand daneben und wollte weg, weg von dieser zerbrechlichen Hülle der Vergänglichkeit.
Also wandte ich mich wieder der Tür zu, stellte dort aber fest, dass ich den Türgriff nicht greifen konnte, sondern durch ihn hindurch griff. Ich war ein Geist. Das wurde mir erst in diesem Moment wirklich bewusst. Ganz vorsichtig prüfte ich, ob meine Hand die Tür genauso durchdringen konnte, wie den Türgriff. Es gab keinen Widerstand. Also trat ich mit einem beherzten Schritt durch die geschlossene Tür, während ich mich gleichzeitig darüber wunderte, dass ich nicht einfach durch den Boden fiel, wenn ich Materie doch einfach durchdringen konnte. Doch im selben Moment erinnerte ich mich an das Gefühl der Schwerelosigkeit, als ich mich vom Bett und meinem Körper gelöst hatte. Dass ich mich auf dem Boden bewegte, geschah aus reiner Gewohnheit. Genauso gut hätte ich durch die Decke oder den Fußboden davon schweben können.
Auf dem Flur war etwas Eigenartiges. Zwei Krankenschwestern waren dabei, in den Krankenzimmern die Laken zu wechseln.
Begegnung auf der anderen Seite
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