Die Geräusche, die sie dabei verursachten, waren so deutlich und klar zu hören, als wenn ich direkt bei ihnen gestanden hätte. Und ich konnte auch jedes Wort ihrer leisen Unterhaltung so klar hören, als wenn sie mir ins Ohr geflüstert hätten. Doch etwas anderes zog meine Aufmerksamkeit auf sich. In einer Ecke spielten Kinder miteinander. Ich hörte ihr fröhliches Lachen. Und eines lächelte mich an und kam auf mich zu gelaufen. Doch ein anderes hielt es mit den Worten zurück: „Lass ihn. Er gehört noch nicht zu uns.“
Da erkannte ich, dass sie Geister waren, Geister wie ich. Mehr noch: Es waren die Seelen von Verstorbenen. Mein Körper lebte ja noch. Sie sprachen und lachten, ohne die Lippen zu bewegen. Eigenartig. Ich fragte mich, warum sie noch hier waren? Auf einer Bank vor einem Krankenzimmer saß ein alter Mann. Auch in ihm erkannte ich einen Geist. Er nickte mir freundlich zu und ich nickte zurück. Mehr war nicht, denn wie das Kind schon gesagt hatte: Ich gehörte noch nicht dazu. Außerdem fühlte ich einen eigenartigen Sog. Irgendein undefinierbares Gefühl zog mich nach oben durch die Decke in die Etage darüber. Und dort stand sie und wartete auf mich; eine Gestalt aus purem Licht, die erst Konturen annahm, als ich auf sie zu schwebte.
„Jonas“, sagte sie und streckte mir ihre Hände entgegen. Auch ihre Lippen bewegten sich nicht, während sie sprach. Und dennoch hörte ich ihre warme, weiche Stimme klar und deutlich und fragte mich, ob Jonas mein Name war.
„Ja“, erwiderte die Lichtgestalt als Antwort auf meinen Gedanken sanft. „Du wirst Dich bald erinnern.“
Da ich mich bei diesen Worten aber an die Prognose des Arztes erinnerte, griff sie auch diesen Gedanken auf und erklärte: „Er täuscht sich. Du wirst die Nacht überleben.“
Sie streckte mir noch immer einladend ihre Hände entgegen.
Begegnung auf der anderen Seite
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