Jetzt haben wir wieder Spaß am Dasein. Ich wünsche mir noch viele Jahre, mit vielfältigen Aktivitäten. Vorher habe ich manchmal gedacht; wenn du jetzt tot umfällst, ist es auch gut und kaum einer wird dich vermissen.“
„Das stimmt nicht“, meinte Steffen. „Wir haben hier gebaut, weil wir in eurer Nähe sein wollten. Unsere Kinder lieben euch und haben uns in den letzten Tagen oft gefragt, warum ihr nur noch so selten vorbeikommt. Aber dass ihr euch verändert, haben wir schon bemerkt. Schon lange seid ihr nicht mehr so aktiv gewesen, wie in den letzten Wochen."
„Das tut …“
Maria kam mit hochrotem Kopf zur Tür hereingestürmt und fragte aggressiv:
„Wie alt ist das Flittchen überhaupt?“
„Jetzt ist aber gut!“, gab Rosi im selben Tonfall zurück und stand auf. „Sie ist kein Flittchen, und wenn du nicht vernünftig mit dir reden lässt, gehen wir besser.“
Auch ich erhob mich und Maria machte eine beschwichtigende Geste.
„Wie alt?“, fragte sie nochmal bemüht ruhig.
„Achtundzwanzig“, antwortete ich für Rosi, die immer noch auf hundertachtzig war.
„Fünf Jahre jünger als ich! Ihr spinnt“, kreischte Maria und verließ uns wieder.
„Wir gehen besser“, sagte Rosi an Steffen gewandt.
„Wartet. Habt ein bisschen Geduld. Ihr kennt sie doch und wir haben doch schon öfter festgestellt, sie hat ein paar deiner Eigenschaften geerbt, Rosi.“
Genau das beschwichtigte meine Frau.
„Du hast recht“, sagte sie und setzte sich wieder. „Vor ein paar Wochen hätten das meine Worte sein können. Sandra bringt mich aber dazu, neue Gedanken zuzulassen. Ihr wisst noch nicht mal die Hälfte von dem, was in letzter Zeit geschehen ist, und ich möchte das jetzt auch nicht loswerden. Vielleicht später einmal. Aber der Punk ist, dass wir durch Sandra einen vernünftigeren Weg einschlagen. Sie regt uns zum Überdenken mancher Handlungen an, ist einfühlsam und tief mit uns verbunden.
Beichten
Je oller umso doller - Teil 44
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Beichten
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