Die Tischplatten im Recreation Room, wie er von den Resort-Besitzern stolz genannt wurde, bogen sich beinahe unter all den Leckereien, die fürs Frühstück der Gäste bereitstanden. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Kreta ernähren sich eher karg, von Souvlaki, wenn es hochkommt, sonst aber eher von Gemüse, von Auberginen, Schafskäse und Reis. Für die Touristinnen und Touristen wurde aber geklotzt, was das Zeug hielt, um schweizerischen, deutschen und österreichischen Erwartungen gerecht zu werden. Die restlichen europäischen Länder sind mittlerweile eher Entwicklungsgebiete. Auch das früher prosperierende Schweden, heute von Migrantengangs durchseucht, ist niemals mehr, was es einmal war. Finnland zittert vor den Russen an seiner geographisch langen Grenze, und Frankreich geht unter sozialen Unruhen in Flammen auf.
Aber im genannten Resort in Kreta versuchte man, eine Illusion aufrecht zu erhalten, die Illusion, man befände sich noch immer in den fetten 1970er und 1980er Jahren. Ayleen und Reto hatten sich einen Fensterplatz ergattert, wo aus beiden Tassen bereits das Cappuccino dampfte. Das Paar stellte sich in die Reihe und deckte sich mit Hörnchen, Rührei, gebratenem Speck, Müesli mit exotischen Früchten und Multifruchtsaft ein. Ohne es voreinander einzugestehen: Ayleen und Reto langweilten sich im Resort. Sie waren das bei weitem jüngste Paar, einmal abgesehen von den wenigen Familien mit Ü40 Eltern, die sich über das Frühstücksbuffet hermachten. «Alles IVF-Frauen», flachste Reto. «Die Follikel sind längst nicht mehr, was sie sein sollten, also ab zur künstlichen Befruchtung, zur In Vitro Fertilisation, um sich den Kinderwunsch doch noch zu erfüllen, den Kinderwunsch, der eigentlich eher ein egoistischer Elternwunsch ist.
Beim Fotografen
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