Beim Psychiater

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Beim Psychiater

Beim Psychiater

Sophie Andrell

Der Schausteller, der den Weihnachtsmarkt in der Wilmersdorfer Straße betreibt, hat eine Frau. Mit dieser Frau hat er zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Die sind erwachsen und haben selbst Nachwuchs, einen Jungen und ein Mädchen. Wollen Sie wissen, wie es mir gelungen ist, ihn zu verführen? Mit Taktik.

Meine Taktik war, mich ihm täglich zu zeigen. Also setzte ich mich mit meinem Glühwein und meiner Thüringer Rostbratwurst mit Senf in eine seiner Hütten und wartete. Wartete, bis er kam. Ich wartete nicht lange. Am ersten Tag begrüßte er mich mit einem erfreuten „Hallo“. Ich lächelte und blitzte ihn verführerisch an. Am zweiten Tag demonstrierte ich anhand einer senfverschmierten Wurst, was ich seinem besten Stück verpassen würde, wenn er mich lässt. So eine Demonstration kann sehr wirkungsvoll sein, wenn frau sie richtig macht. Mit anderen Worten: Er sah mich an, als hätte ich nicht alle Latten am Zaun. Habe ich auch nicht. Wer es schafft, seinen Zahnarzt und sogar seinen Psychiater zu verführen, der hat definitiv nicht alle Latten am Zaun.

Und ich hatte sie beide, also ihre Penisse in meiner Möse. Stopp. Nein! Beim Psychiater nur im Mund. Sein Sperma hat im Übrigen widerlich geschmeckt. Ob es an den verschreibungspflichtigen Pillen lag, die sich der Doc vermutlich zuhauf einzuwerfen pflegt, ist nicht überliefert. Ich kann nur bestätigen, dass es prima lief mit mir und dem Psychiater. So prima, dass er bestimmt noch heute daran denkt.

Woran ich, Sophie Andrell, im Grunde genommen pausenlos denke, ist Sex. Saftiger Sex. Animalischer Sex. Sex zu Dritt. Rudelbumsen. Mit Frauen. Mit Männern. Nur vor Tieren mache ich halt. Außerdem wäre es sowieso verboten. Obwohl… wenn ich einen Hund hätte, könnte der mich lecken…

Wo war ich stehengeblieben? Ach so, mein früherer Psychiater. Der mit dem Sprung in der Schüssel. Testet also mit einem kleinen Hämmerchen meine Reflexe. Dreimal dürfen Sie raten, was ich daraufhin angestellt habe. Richtig. Ich nutzte die Gelegenheit und fasste ihm an die Eier. Er zuckte zurück. Gerade so, als hätte ihm jemand mit einem Elektroschocker einen Stromschlag verpasst. Ich setzte meine Unschuldsmine auf und tat, als wäre dies das Normalste der Welt. Upps! Er kam zögernd zurück zur Liege und setzte sein Hämmerchen erneut an.
„Ich warne Sie, Frau Andrell!“
Ich sagte nichts. Er nahm sein Hämmerchen.
Upps! Diesmal hatte ich wenigstens seine Eier getroffen. Er sprang auf, als hätte ihn eine Tarantel gestochen. Das müssen himmlische Gefühle gewesen sein. Er sagte nichts, verbiss sich einfach nur den Schmerz.
Völlig überflüssig zu erwähnen, dass er mich später seiner Praxis verwiesen hat. Aber wenigstens hatte ich ein Rezept. Fluoxin. Eignet sich prima zur Gewichtsreduktion. Man hat praktisch keinen Hunger mehr. Werfen sich Hollywoodstars zuhauf ein. Probieren Sie es ruhig aus. Ich muss weiter. Männer belästigen. Adios.

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