Die Folgen waren absehbar. Unter der Haut einer jeden Frau blubberte nun ein kleiner Vulkan. Es brauchte wenig. Sehr wenig. Eine Hand, die in der Strassenbahn zufällig den Hintern streifte. Die Berührung des Oberarms durch einen Arbeitskollegen. Der Atem der Schuhverkäuferin, die beim Anprobieren half und mit ihrem Odem das nackte Frauenknie streifte. Die zufällige Berührung des Arztes, während er einer Frau die Blutdruckmanschette anzog, so es denn in der ganzen Digitalisierung diese Manschetten überhaupt noch gab.
Jaaaah. Männer waren da anders. Sie hatten sich längst in virtuelle Welten zurückgezogen, holten sich ab und an einen runter, wenn die 3D Masturbationsszene wirklich echt wirkte, die Szene, die sie atemlos verfolgten, auf dem Weg zum Abspritzer.
Aber die Frauen dürsteten. Sie dürsteten derart, dass keine achtlos am kleinen Startup von Stephen und Martino vorbei ging. Sie blieben neugierig stehen, die Frauen, und jede überlegte sich, was wohl hinter der schweren Eichenholztür zu erwarten war.
Der Berührungsraum war schlicht eingerichtet. Crèmefarbene Wände, geschmackvolle Pastellbilder. Ein dezenter Teppich. Alles so konfiguriert, um Frauenseelen an ihrem innersten Punkt zu erreichen und dann dort abzuholen. Um sie auf einer Reise zu begleiten. Berührungsreise. Das Geschäftsmodell war simpel. Bezahlt wurde mit Kreditkarte, und die Preise bewegten sich um 150 Euro die Stunde. Die Stunde mit Stephen, Martino oder beiden zugleich.
Sanfte Musik heizte die Stimmung auf. Kitaro. Tangerine Dream. Musik, wie aus der Zeit gefallen. Musik, zu der sich die Frauen bis auf Slip und BH entkleideten. Das steigerte das Vertrauen und das Verlangen. Das Vertrauenverlangen. Weder Stephen noch Martino verlangten von ihren Kundinnen, dass sie sich gleich nackt auszogen. Es war ja nur eine Frage der Zeit, und sie würden daliegen, die Frauen, mit roten Flecken am Hals, Gänsehaut an den Brüsten und einer offenen, weichen, warmen, feuchten Mitte.
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