Im Gedanken begann ich, unsere Optionen durchzugehen.
„Seid ihr die Händler, die erst behauptet haben, nach Massachusetts zu wollen, und dann, dass sie Handel in Jamestown treiben möchten?“
Scheiße, die hatten eine gute Kommunikation!
Ich blieb dennoch ruhig: „Wer will das wissen?“
„Big Jack! … Mitkommen!“
„Sind … sind wir verhaftet?“
Oh Kris … Kris … Kris, was machst du für Sachen? Mir wurde kalt und heiß.
Schmierlappen 1 schaute Schmierlappen 2 an und dann brachen beide in Gelächter aus.
„Püppi, wie kommst du denn auf die Idee? Hast du was ausgefressen? - Big Jack, möchte nur eure Schätze zuerst sehen, bevor ihr das anderen anbietet. Und damit ihr den Weg findet, begleiten wir euch.
Ich warf eine ‚2-New$‘-Note auf den Tisch und wir gingen.
Die beiden Kerle mit dem Pflegezustand eines toten Iltis und eines verwesenden Frettchens – ich beschloss, sie so für mich zu taufen – begleiteten uns tatsächlich und ließen uns keine Sekunde aus den Augen. Sie schienen ein bisschen blöd, aber nicht bösartig.
Wir packten alle Vorräte aus dem Hotelzimmer zurück auf die Maultiere und führten die schwerbeladenen Tiere dann an der Leine zu Big Jacks Headquarter. Dort wurden wir zufällig Zeugen, wie die gleiche Fahrzeugkolonne, die wir am Vorabend ausfahren sehen hatten, wieder auf das Gelände fuhr. Wo kamen die jetzt her? Waren diese die ganze Nacht weggeblieben? Nachdem alle drei Wagen passiert hatten, mussten wir außerhalb noch etwas warten und durften dann, samt unserer Tiere, durch das Haupttor eintreten.
Wenn ich gehofft hatte, mir jetzt einen Überblick über das Innenleben hinter dem Palisadenzaun machen zu können, wurde ich bitter enttäuscht. Wir befanden uns in einer Schleuse. Es gab noch ein Tor und in der Schleuse eine kleine Baracke. Der interne Zaun war genauso hoch wie die äußeren und wir sahen nichts vom Rest der Anlage. Frettchen forderte uns auf, alles von den Tragtieren zu nehmen und in der Baracke auf dem Tisch aufzubauen. Big Jack würde dann bald kommen und sich das ansehen, fügte Iltis erklärend hinzu. Und nach einem Blick auf unsere beiden Pistolenholster sagte er noch: „Ach, … und die Waffen nehmt ihr ab und lasst sie draußen.“
Wir bauten unter den Augen der beiden Laufburschen von Big Jack alles wie auf einem Marktstand auf und warteten. Big Jack ließ sich natürlich Zeit – eine Machtdemonstration.
Waren wir in Schwierigkeiten? Ich war besorgt. Wenn ja, würden wir wohl kaum lebend rauskommen.
Dann endlich kam er in Begleitung von zwei bewaffneten Leibwächtern und wir erfuhren, warum er sich Big Jack nannte. Sicher nicht wegen seiner Körpergröße! Ich schätzte ihn auf 1,70 m. … Es war sein Leibesumfang. Er war so fett, er hätte bei Star Wars den ‚jabba-the-hut‘ spielen können.
„Ach, unsere Händler! Willkommen in Rhode Island. Mein Sicherheitschef hat mich gestern ein bisschen verrückt gemacht wegen der differierenden Angaben an den Checkpoints, aber ich hab’ da kurz drüber nachgedacht … Ihr werdet eure Pläne geändert haben. Warum die Waren so lange mit sich rumschleppen, wenn man sie früher verkaufen kann? Oder?“
Kris sagte nichts. Ich hatte sie gebeten, sich etwas zurückzuhalten.
„Genau das hatten wir uns überlegt. Wenn wir gut verkaufen, könnten wir vielleicht sogar schon die Maultiere abstoßen, je nachdem. Die fressen uns ja auch die Haare vom Kopf.“
Big Jack lachte dröhnend. „Ich sehe, du bist ein Fuchs.“
Und dann … ernster: „Ich mag keine Händler.“
Im Raum brach Stille aus. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können.
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