Auf den ersten Blick würde man sie für ein klassisches Mauerblümchen halten mit ihrer runden Brille, dem rötlich gefärbten Haar und der betont unauffälligen Kleidung. Spricht man sie auf ihre langärmligen T-Shirts an, reagiert sie empfindlich. Sie hätte eine Sonnenallergie, lässt sie verlauten. In Wirklichkeit aber schämt sie sich für ihren Körper. Claudia findet ihre Brüste viel zu klein, ihre Beine zu kurz und, na ja, ihren Hintern, den würde sie keinesfalls freiwillig zur Schau stellen. Mit andern Worten: Claudia ist eine Frau von Tausenden, eine, die den aktuellen Körperlichkeits-Hype nicht mitmachen mag. Claudia mit dem Minibusen und dem Afrika-Arsch.
Claudia mag Feigen sehr gerne. Am liebsten die grünen, ganz frischen, mit ein wenig Sauerrahm. Mit dieser Delikatesse tröstet sie sich oft über das problematische Leben hinweg, das Big T. ihr beschert. Er lässt ihr keine Ruhe. Jedes Mal, wenn er sich vorstellt, einer seiner Freunde würde seine „Swiss Milkcow“ bumsen, pochen seine Schläfen. Claudia hat längst Eingang gefunden in Big T's Masturbationsphantasien - nur weiss sie davon nichts.
Es kommt der Tag, an dem es spätnachts an Claudias Wohnungstür klingelt. Eben erst hat sie sich zurecht gemacht fürs weiche, warme Bett. Claudias Trost. Selbst der Bettvorleger mit dem Zebramuster passt da irgendwie hin. Leicht deplatziert wirkt allerdings der Print von Salvador Dali. Frau, von hinten, am Fenster stehend, kontemplativ wirkend. Man sieht sie zwar von hinten, diese Frau, kann sich aber ihren abwesenden Blick genau vorstellen. „Sie hat einfach deinen Arsch“, hat einer von Claudias elf Lovern mal zu ihr gesagt. Er liebe dieses Werk, hatte er auch noch gesagt. Käme einer zur Welt, sähe dieses Gemälde und stürbe gleich wieder, hätte sich sein Leben schon gelohnt.
Der übrige Raum kann rasch beschrieben werden.
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