Hast du nicht gehört, was Karl gesagt hat und wie er uns mit sich und seiner Frau verglich. Wir könnten auch so sein.“
„Du bist heute irgendwie auf Krawall gebürstet, meine Kleine!“, knurrt Jara. „Versuchst mich in die Enge zu treiben mit deinen Argumenten und du weißt ganz genau, dass mich das runterdrückt.“
Nur Hellen gegenüber zeigt Jara ihr wahres Gesicht. Ihre sensible Seite. Das, was sie vor Außenstehenden hinter Dominanz und zur Schau gestellter Überheblichkeit verbirgt. Es ist die Art, die sie sich als Kind angeeignet hat, um mit dem Mobbing umzugehen, dem sie wegen ihrer Hautfarbe ausgesetzt war.
Hellen weiß, dass Jara keinem so vertraut wie ihr. Niemals wird sie deshalb Jara verletzen, indem sie anderen offenbart, wie verletzlich ihre Gefährtin in Wirklichkeit ist. Gerne gibt sie sich in der Öffentlichkeit unterwürfig, stellt Jara als den dominanten Part hin. Nur hier in ihrer trauten Zweisamkeit zeigt sie, wie es wirklich ist.
Hellen lässt sich in den Sessel fallen und fordert, mit ausgestrecktem Arm:
„Komm her!“
Unter einem tiefen Atemzug schließt Jara die Augen und reicht ihr die Hand.
Forsch zieht Hellen sie auf ihren Schoss und nimmt sie liebevoll in die Arme. Ein kurzer Kuss und ein leises Geständnis:
„Jara, ich liebe dich über alles und will dich nicht verletzen, aber ich kann diese Sehnsucht nach einem Kind auch nicht unterdrücken. Bitte steh dem nicht entgegen.“
Das Amazonenhafte ist längst von Jara abgefallen und eine Träne sucht sich ihren Weg über die braune Wange.
„Ich hab Angst Hellen. Angst vor der Verantwortung. Furcht, dass dem Kind gleiches wie mir widerfährt. Dass es gemobbt wird, weil es nicht in einer klassischen Familie aufwächst. Das Fragen nach dem Vater aufkommen. Dass das Kind selbst, seinen Vater vermisst. Ich weiß, wie sich das anfühlt, weil ich allein mit meiner Mutter aufgewachsen bin, als mein Vater nicht mit dem Leben hier einverstanden war, und zurück nach Gabun ging.“
Black and White
Graues Schamhaar
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Vor den Ereignissen von "Die Bank am Wanderweg".
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