Bläserinnen im Reigen

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Bläserinnen im Reigen

Bläserinnen im Reigen

Franck Sezelli

Ich bin bereit zuzugeben, dass ich die Kühnheit besaß, den Personen die Unebenheiten ihres Charakters zu belassen. Aber im Gegenzug erkläre ich ausdrücklich, dass ich viele ihrer Handlungen mit dem allermoralischsten Tadel überschütte.

Stendhal im Vorwort zu »Die Kartause von Parma«

Sie versprach, mich im Erfolgsfall für eine Nacht zu sich oder in ein Hotelzimmer einzuladen, um den begehrten Preis dann gemeinsam zu genießen – und sicherlich noch manches mehr. Auch ich mag Susi – was nicht heißen soll, dass wir hier eine irgendwie geartete Zweierbeziehung haben – nicht umsonst besuchen wir beide regelmäßig einen Sexclub. Ich war also nicht abgeneigt, aber doch skeptisch.
»Wie soll das denn gehen? Ich sehe doch nichts, werde eine schwarze Augenbinde aufhaben. und gesprochen darf weder von dir noch von den Zuschauern werden. Deine Hände können kein Zeichen geben, die darfst du nicht verwenden.«
»Ich habe eine Idee!«
»Ist deine Freundin da involviert? Ihr habt soviel miteinander getuschelt, nachdem das Spiel bekannt gegeben worden war und ich als Opfer feststand.«
»Nein, nein, Franck, ich habe ihr nichts von meiner Idee verraten. Im Gegenteil!«
»Wie – im Gegenteil?«
»Ich habe mit Cathy gewettet!«
»Was gewettet?«
»Dass ich gewinne! Dass ich den Preis bekomme …«
»Was ist der Einsatz?«
»Eine Flasche Sekt, nein, Champagner!«
»Was? Ich denke, das ist zu teuer für euch!«
»Kein Dom Pérignon! Aber ein Veuve Clicquot ist das mindeste!«
»Das ist doch recht riskant, Susi! Bei sechs Mitspielerinnen sind die Chancen doch nur eins zu sechs.«
»Komm mit, Franck, ich erkläre und zeige dir’s!«
Susi suchte mit mir einen der Dunkelräume auf, der von keinem Paar belegt war. Dort gelang es ihr, mich völlig zu überzeugen. Warum auch sollte ich nicht mitmachen? Ich hatte nichts zu verlieren, konnte nur gewinnen. Einmal sowieso die Blowjob-Runde, zu der ich mich gemeldet hatte und unter den vielen Bewerbern ausgelost wurde. Welcher Mann mag es nicht, auf diese Weise verwöhnt zu werden? Und nun hatte ich auch noch die Chance, den halben Preis zu gewinnen, d.h. die teure Flasche mit der feschen Susi zu teilen. Dass wir beide dabei auch noch auf andere vergnügliche Ideen kommen würden, schien mir auch klar – und das ohne teuren Eintritt!

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