Das Blaue Sofa oder Die Frage des richtigen Zureitens

Geschichten vom Anfang der Sinnlichkeit

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Das Blaue Sofa oder Die Frage des richtigen Zureitens

Das Blaue Sofa oder Die Frage des richtigen Zureitens

Stayhungry

Dabei waren sie nicht allein.

Draußen vor dem Fenster verlief der Weg zur oberen Straße, etwas oberhalb stand eine Laterne, und zum Zaun waren es nur wenige Schritte.

Die Rollläden hatten sie nicht heruntergelassen, wozu auch? Wenn sie entflammt waren, vergaßen sie alles um sich herum und dachten gar nicht darüber nach, ihren nicht endenden Sinnestaumel zu verbergen. Auf dem Futon in lustvoller Verschlingung hatten sie nur Augen für einander, nicht für das Fenster und die Welt da draußen. Nun aber, hinter ihr stehend vor dem Schreibtisch, fiel sein Blick durch das Fenster. Ein Paar Mitte Vierzig hielt im Spazieren inne und sah gebannt zu ihnen herein. Die Frau hatte mehr beiläufig in das erleuchtete Zimmer geblickt und war wie versteinert stehen geblieben und ihr Begleiter suchte den Grund ihres unvermittelten Interesses, den unverhohlenen leidenschaftlichen Liebesakt.

Er stimulierte seine liebste gerade aus seinem kreisenden Becken, sein Glied tief in sie gedrückt, seine Hände in ihre Hüften gekrallt, als er die Voyeure bemerkte. Nur er sah sie, denn sie pflegte die Augen zu schließen, sobald sie begann zu genießen und gab sich seinem wilden Begehren vollends und willenlos hin.

Seine Lust aber entstand nicht allein aus dem Fühlen, Riechen, Schmecken. Er musste sie betrachten, gerade in ihrem tiefen Erleben, das sich allein nährte aus seiner Zuwendung, und so suchte er sogar im Dunklen die Konturen ihres geöffneten Mundes, aus dem sie schwer atmete, ihres Haars, ihrer Taille, ihrer Brüste, ihrer Löcher.

Dieser unstillbare Hunger nach Kontemplation im Akt war wohl der Grund dafür, dass ihm kein Schreck in die Glieder fuhr und seine Härte schwächte. Auch sprach aus den Augen seiner Zuschauer keine schnöde Gier, es war die Faszination über die innige Vereinigung mit seiner Liebsten, ihre Hingabe an seine in all ihrer Wildheit feinfühligen harten Stöße, die sie wieder und wieder zum Höhepunkt trieben, und mit jeder Welle, die durch sie fuhr, gelang es ihr weniger, die von ihr gewünschte Lautlosigkeit zu wahren.

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