Das Blaue Sofa oder Die Frage des richtigen Zureitens

Geschichten vom Anfang der Sinnlichkeit

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Das Blaue Sofa oder Die Frage des richtigen Zureitens

Das Blaue Sofa oder Die Frage des richtigen Zureitens

Stayhungry

Er würde sie mit Haut und Haar in Besitz nehmen, um ihre Lust in einer Weise zu wecken, von der sie nicht einmal zu träumen wagte.

Das alles ahnte sie.

Und wehrte den Anfängen.

* * *

All das blitzte in Schlaglichtern in ihm auf, als er so vor dem Sofa stand, das er neben der Garage inmitten von anderem Gerümpel für den Abtransport bereitgestellt hatte.

Und unablässig redete der Nachtmar auf seiner Schulter auf ihn ein. Er war kein besonnener Ratgeber, der ihm half abzuwägen, zu verstehen, einzuordnen, anzunehmen, was ihr Weg war. Er setzte absolut, was nur sinnlicher, intimer Teil dieser großen, ihr beider ganzes Leben umfassenden Liebe war, und wies allein auf den unwahrscheinlichsten Hoffnungsschimmer als den einzig gangbaren Weg, als gäbe es einen Weg zurück. Er bemühte die Lehren der Bücher von Clernent und Perel und ahmte seiner Liebsten Lustschreie nach, wenn sie hart genommen wurde, wie keine andere Frau es ihm sonst zugelassen hatte.

Trauen konnte er ihm nicht, zu oft hatte er ihn in Minenfelder von Enttäuschung, Bloßstellung und Blamage geschickt. Doch sein Einfluss auf ihn war schier unermesslich, denn unter seinem Fingerzeig konnte er Verborgenes entdecken, ungekannte Quellen neuer Kraft und neuen Lebens oder auch nur deren Fata Morgana. Er hatte immer Recht und wies alle Schuld von sich, wenn Versprechen uneingelöst blieben.

Ein Dämon war er und versprühte sein Gift von Zweifel und Aufruhr tief in sein Herz, ließ erst nach, als die Unruhe, die Wut, das Verlangen, die Sehnsucht wieder Oberhand gewonnen hatten über die Resignation, das sich fügen, die Betonung all dessen, was wahrhaft gut war in ihrem Leben fern jugendlicher Sinnlichkeit. Das Raubtier war wieder erwacht in ihm, von dem er nicht recht wusste, ob es tatsächlich der dunkle Teil seiner Seele war, und gesellte sich wortlos an die Seite der zarten Taube.

*

Ja, gab er dem Nachtmar recht, dessen Gezeter sich daraufhin langsam auf unverständliches Gemurmel reduzierte. Die Sehnsucht nach dem Mehr musste doch auch sie locken, die sich ihm so gerne in devoter Haltung hingab, wenngleich sie ängstlich stets den Rahmen steckte.

Was also hatte er falsch gemacht? Sein wahres, kraftvolles Ich war verblasst im Willen ihrem Wunsch zu entsprechen bis er nicht mehr der war, der ihr Herz gewonnen hatte mit seiner schieren Existenz.

Irgendwann würde er sie richtig zureiten. Fordernder, selbstbewusster, aber immer hellhörig, ihre Wünsche feinfühlig ergründend, jene, die sie sich nie eingestehen würde.

Ja, irgendwann würde er sie richtig zureiten.

Irgendwann.

In einem anderen Leben.

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