Das Blaue Sofa oder Die Frage des richtigen Zureitens

Geschichten vom Anfang der Sinnlichkeit

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Das Blaue Sofa oder Die Frage des richtigen Zureitens

Das Blaue Sofa oder Die Frage des richtigen Zureitens

Stayhungry

Es ist wohl alles eine Frage des richtigen Zureitens. So lautete das Resümee der letzten seiner nicht mehr zählbaren Überlegungen.

Was er falsch gemacht hatte? Die Antwort darauf war gar nicht so leicht.

* * *

Das blaue Sofa, ein Zweisitzer mit Kunstlederbezug, das seine Frau mit in die Ehe gebracht hatte, sollte nun endgültig auf den Sperrmüll. K. wusste nicht recht, wie sehr er es bedauerte. Es passte nirgends mehr dazu, und strapaziert wie es war, war seine Zeit einfach abgelaufen.

Aber es war Dreh- und Angelpunkt der wirklich glühend heißen Leidenschaft jener ersten Jahre ihrer Liebe gewesen, ausgehungert wie seine Liebste war, allein als allein Erziehende in jungen Jahren, mit ganzem Leib und ganzer Seele sehnsüchtig nach Begehren, Berührung und Begattung.

Er seinerseits war der immer gleichen Aufrisse für eine Nacht ohne Perspektive für den Morgen danach ebenso überdrüssig wie der Sammlung von Dreimonatsbeziehungen - je ein weiblicher Zyklus für kennen lernen, meinen, das sei es und Trennungsphase - in denen die Experimentierfreudigkeit auch nur standardmäßige Tabuverletzungen zuließ. Nach seiner gescheiterten Ehe war die Leichtigkeit des Erfolges bei den Damen natürlich befreiend gewesen, doch bedauerlicher Weise fernab wahrer Intimität, und deren beglückende Wirkung hatte er zunehmend schmerzlich vermisst.

Bei ihr hatte er sie endlich wieder gefunden. Zu allererst und oftmals wieder auf diesem Sofa.

*

Wie ihnen Leidenschaft und Intimität hatten abhandenkommen können, war nicht einfach zu ergründen, zumal sie, anders als er, sich ja immer im Einklang mit sich selbst befand. Sie hatte in jeder Lebensphase die sinnliche Beziehung, die sie sich wünschte, was es ihr leicht machte, nüchtern objektivierbare Veränderungen schon als Tatsache abzuleugnen. Des Weiteren war dies alles schleichend vor sich gegangen, und hatte er Unzufriedenheit zu erkennen gegeben, war ihm die Rolle des Friedensstörers zugefallen.

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