Eigentlich will sie ihm nur aufhelfen, aber der Fleischer, der immer schon ein verkappter Romantiker war, sieht das symbolisch und glaubt, jetzt werde sie ihn mit auf ihren Turm nehmen und gesund pflegen. Und vielleicht liegt es am Drachenblut, das über seine Brust läuft: Rapunzel tut es tatsächlich. Während sie ihn stützt, gesteht er ihr in vielen Fleischmetaphern seine Liebe, sagt, dass sie das Fettauge seiner T-Bone-Steaks sei, dass es kein Rinderwahnsinn, sondern brennende Leidenschaft sei, die ihn irre mache, und manche Dinge mehr, von denen er glaubt, dass man Jungfrauen damit erobern kann. Rapunzel findet ihn überaus komisch, rührend auch, aber vor allem komisch, unten am Turm fängt sie an zu lachen, und oben kann sie kaum noch Luft holen, weil sie so japsen muss. Ihre Wohnung steht voller Bücher, aber ein Bett gibt es auch, ein Prinzessinnenbett mit weißem Baldachin. Der Fleischer nestelt in seiner Hosentasche herum und zieht ein Päckchen hervor, das er ihr überreicht. Kein Drachenkopf zwar, keine faustgroße Perle, aber etwas, das auch originell ist; blaue Nylonstrümpfe. Und als er Rapunzel durch die Flut an Haaren fährt, weiß sie, dass sie ihn jetzt einlassen muss. Sie gibt ihm ein großes Pflaster und Mullbinden, die er dramatisch um sich schlingt, als wäre er direkt in einen Fleischerhaken gefallen, und sie streift die blauen Strümpfe über, die am Oberschenkel mit einer breiten Spitze enden. Und da Rapunzel keine Freundin von vielen Worten ist, zieht sie ihre übrige Kleidung gleich aus. Fassungslos sitzt der Fleischbursch vor ihr auf dem Bett und starrt sie an, ihr Kressebeet vor allem. Rapunzel ist schön wie etwas gerade Gesprosstes, und obwohl sie so überschmal ist, besteht ihr Körper nur aus Kurven und Wölbungen. Nichts Knochiges ist an ihr, nichts Vertrocknetes. Saftig ist sie, feucht wie eine aufgeplatzte Frucht, und als er sie zu sich herzieht, an ihren blaubestrumpften Beinen entlang fährt und sich mit der Zungenspitze näher zu dem gekräuselten Rasenstück zwischen ihren Schenkeln tastet, über das schlüpfrige Moos leckt und ihre verborgenste Knospe sucht, da schmeckt sie wirklich so süß, wie er es sich immer ausgemalt hat. Sie drängt ihn aufs Bett und steigt über ihn, ihre Haarflut wird ein Vorhang, der ihm die Sicht nimmt, und Rapunzel legt den Kopf in den Nacken und stellt sich vor, was passiert, wenn ihr Aberglaube doch Recht hat und sie zu dem werden wird, was sie sich einverleibt. Sie stellt sich vor, dass sie halb Rapunzel bleiben und halb Fleischbursch werden wird, eine große, sehnige, massige Frau, kein Gewächs, sondern ein Weib, eine Walküre, und der Gedanke gefällt ihr so, dass sie die Schenkel enger um ihn schließt und sich mit den Fingernägeln fest in seinen breiten Rücken verkrallt.
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