Und obwohl das Lutschen und Schlucken traumhaft gewesen war, war das mindestens genauso gut.
*
Chris musste sie nur zunicken und er kam rüber. Ein Vorwand, den seine Gattin großzügig abnickte, fand sich natürlich. Wie gesagt, sie wollte schließlich die gute Nachbarschaft fördern mit gegenseitigen Hilfestellungen, da Linda sich um ihr Haus und die reichlichen Pflanzen gern kümmerte, wenn sie verreisten. Aber eine Häufung könnte auffällig werden. Helga nun war mit ihren eben erst vollendeten 50 Jahren ein echter Reißer! Tolle Figur, sportlich und voller Energie! Das kam nicht zuletzt daher, dass sie vier bis fünf Mal pro Woche das Fitnessstudio um die Ecke aufsuchte. Hatte Chris bislang an solchen Tagen meist länger im Büro verbracht, wenn nicht das Wetter bestimmte Gartenarbeiten gebot, so kam er an den Tagen mit Sporttermin seiner Gattin nun wesentlich zeitiger nach Hause und tigerte ansprechbar auf der richtigen Seite ihres Grundstücks auf und ab. Hatte Linda Lust, so sprang Chris hinten bei den Geräteschuppen über den Zaun, um nicht auf der Straße Anlass zu Getratsche zu geben. Hatte sie keine Lust, beließ sie es bei Smalltalk und tat so, als wäre alles wie seit jeher. So hatte Linda es leicht.
Ein wenig Mitleid mit Chris hatte sie schon. Sie allein konnte bestimmen, was und wann sie wollte. Er selbst wagte nur verstohlene Blicke, wenn er ihr am Zaun begegnete und sie sich extra ein wenig lasziv bückte nach Belanglosem. Da litt Chris dann natürlich, denn er war längst gefangen in der Sehnsucht nach hemmungsloser Lust, wagte aber nie, sie einzufordern. Linda sollte die Verführerin sein. Ein eigenes Begehren wagte er nie zu äußern, denn er hing, von Angst geplagt, an seiner Helga, in der Hoffnung, es könnte wieder besser oder zumindest nicht noch schlechter werden in dem, was in Lindas Augen unabwendbar den Bach runterging.
Aber sie hatte mit ihm eben keinen Kerl an der Backe, der mit ein paar guten Ficks schon eine gemeinsame Zukunft heraufziehen sah. Und Chris besprang sie schüchtern, unsicher, fahrig und hemmungslos. Bei jeder Zusammenkunft vögelte er sie, als wäre es das letzte Mal in seinem Leben.
Das war fast wie wirklich wilde Leidenschaft.
Fast, aber immerhin.
Blick über den Zaun
Geschichten vom Anfang der Leidenschaft
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Blick über den Zaun
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