Dabei taste ich suchend nach meinem Glas. „Und du?“
„Ich habe es mir anders...“
„Aaa, was ist das denn?“ quickt Ines erschrocken dazwischen. Ich habe auf der Suche nach meinem Trinken das Glas umgestoßen und offenbar ist ein Schwall Wasser bei ihr gelandet.
Wie aus dem Nichts taucht Memet auf und kümmert sich um mein Malheur.
„Kein Problem“, sagt er, „das passiert manchmal, ich hol dir ein Neues.“
Und zu Ines gewandt „Alles OK?“
Ich höre Stoff rascheln, vermutlich nimmt er das verschüttete Wasser mit einem Tuch auf.
„Ja, ja, nichts passiert, nur meine Hand ist ein wenig nass, ich bin halt erschrocken.“
„OK. Dann ist ja gut. Wir bringen jetzt auch gleich den Hauptgang.“
„Was wolltest du sagen?“ frage ich Melek, aber Ines fühlt sich angesprochen.
„Ich? Äh, nix, alles gut. Kein Problem, das mit dem verschütteten...“
„Ich habe es mir anders vorgestellt“, fällt ihr Melek ins Wort, „ich habe gedacht, das wäre gruselig oder so. Ich kann die Dunkelheit nicht leiden, wisst ihr... Aber jetzt find ich‘s total spannend. Nur warm ist’s hier drin.“
Sie hat recht, der Raum ist inzwischen ziemlich aufgeheizt.
„Wir hätten nicht mit den dicken Klamotten herkommen sollen“, wirft Ines ein. „Zum Glück hatte ich unter meiner Fleecejacke noch was an. Sonst säße ich jetzt oben ohne hier.“
„Gute Idee, das sollte ich auch machen“, erwidere ich.
„Was?“
„Meinen Pulli ausziehen.“
Und auch mein Hemdchen, ergänze ich in Gedanken. Es kann ja niemand sehen. Einen Moment später sitze ich tatsächlich mit nacktem Oberkörper am Tisch – ein total geiles Gefühl. Niemand weiß es, niemand sieht es. Wie in meiner Fantasie.
Plötzlich hört man von der Raummitte, wie jemand mit einem Metallgegenstand mehrfach an ein Glas schlägt, als wolle er eine Rede halten.
„Darf ich kurz um Ihre Aufmerksamkeit bitten?“ Es ist die Stimme von Brigitte.
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