Blind Taste

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Blind Taste

Blind Taste

Alina Soleil

An der Wand hinter der Empfangstheke stehen fünf Personen, drei Männer und zwei Frauen, alle in schwarz gekleidet. Nachdem die letzte von uns den Flur verlassen hat, ergreift Beatrice das Wort. Man kann erkennen, dass sie blind ist, ihre Augen schauen merkwürdig unverbindlich ins Leere.
„Liebe Gäste, ich hoffe, es hat euch gefallen und unsere Speisen haben euch gemundet.“
Spontaner Applaus.
„Ich möchte mich ganz besonders auch bei unserer Crew aus Köchen und Bedienungen bedanken“, die fünf verbeugen sich, „ohne sie wäre das alles nicht möglich.“
Wieder Applaus.
Fast traue ich mich nicht, die drei Jungs näher anzuschauen, ich habe Angst vor einer Enttäuschung. Aber das ist zum Glück völlig unbegründet. Alle drei haben etwas, sie sehen sich fast sogar ein bisschen ähnlich: alle mindestens 1,80 groß und dunkelhaarig, einer hat einen Zopf, ein anderer einen frechen Undercut. Einer trägt eine Brille. Ich versuche zu erraten, wer von den dreien Memet sein könnte, komme aber zu keinem Ergebnis.
„Wenn es euch gefallen hat, dann würden wir uns freuen, wenn ihr uns weiterempfehlt. Vielen Dank noch mal und einen schönen Abend!“
Es folgt langanhaltender Applaus, dann beginnen die ersten Mädels, sich von den anderen zu verabschieden. Während ich auf Andrea warte (sie will mich heimfahren, musste aber nochmal aufs Klo) öffne ich meine schwarze Box. Es sind tatsächlich Pralinen. Auf dem durchsichtigen Trennpapier klebt ein handgeschriebener Zettel. Darauf steht eine Handynummer und darunter

Ruf mich an, wenn du magst. Ich würde dich gerne zum Essen einladen und mich für diesen wundervollen Abend bei dir revanchieren. Memet.

Mein Herz schlägt höher und ich fühle auf einmal ein Flattern im Bauch, als hätte ich mich gerade verliebt. In einen Unbekannten.

Das werde ich definitiv tun, mein Lieber, denke ich. Aber erst morgen. Heute Nacht will ich dich in meiner Fantasie haben, wir machen dort weiter, wo wir aufgehört haben, im Dunkeln mit all den anderen um uns herum. Gewissermaßen als Teil eins der Revanche.

Bei dieser Vorstellung zuckt meine schmachtende Muschel und lässt einen weiteren Schwall Feuchtigkeit in meinen dampfenden Schoß sickern.

„Kommst du?“, ruft Andrea und schreckt mich aus meinen Gedanken auf. Schnell packe ich die Schachtel ein und folge ihr nach draußen zu den Autos.

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