Man bekommt einen oder mehrere Tisch-Hosts zugewiesen, das sind die Bedienungen für den Abend. Dann wird einem das Prozedere erläutert. Anschließend wird man in einen dunklen Flur geleitet, dessen Wände mit schwarzen Vorhängen verhangen sind und der offenbar zum Speisesaal führt. Das ist wie eine Art Schleuse mit zwei Türen. Sind beide zu, sieht man nicht mehr die eigene Hand vor Augen. Nacheinander geleiten die Hosts die Gäste dann zu ihren Plätzen und begrüßen alle nochmal ganz offiziell, sobald jeder auf seinem Platz sitzt.
Bei uns übernimmt die Begrüßung eine Frau, ich schätze sie der Stimme nach auf über sechzig, kann mich natürlich auch komplett täuschen. Mir wird sehr schnell klar, was Andrea meinte, als sie sagte, wie schlecht wir unsere Sinne trainiert haben. Ich spüre in mich hinein und fühle ein wenig Aufregung, Hunger (klar) und immer noch kalte Füße. Und ich spüre das vertraute Ziehen in meinem Schoß, dieses Gefühl der Vorfreude auf einen lustvollen Moment.
„Liebe Gäste, wir servieren Ihnen heute Abend vier Gänge. Eine Vorspeise, das wird eine Suppe sein, einen Zwischengang, dann das Hauptgericht und danach ein süßes Dessert. Wir verraten Ihnen nicht, was es sein wird, das sollen Sie selbst erraten. Sie werden sehen ... was sage ich, Sie sehen ja nichts ... Sie werden erleben, wie komplett anders die Sensation ist, wenn Sie eben nicht sehen, was Sie essen, sondern sich komplett aufs Riechen und Schmecken verlassen müssen, auf das Gefühl der Speisen in Ihrem Mund, die Konsistenz, den Biss ... wo genau Sie was auf Ihrer Zunge schmecken, und wie lange das Aroma dort bleibt oder wie es sich vielleicht verändert.
Freuen Sie sich auf einen unvergesslichen Abend im Blind Taste. Guten Appetit!“
Alle klatschen Beifall und ich bin überrascht, wie laut das auf einmal ist.
Blind Taste
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Blind Taste
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