Die Türen zum Flur gehen auf und der erste Gang wird gebracht. Ich höre Schritte hinter mir und spüre dann die Anwesenheit einer Person zu meiner Rechten, wohl ein Kellner, der uns gleich den ersten Gang servieren wird.
„Riecht nach Kürbissuppe, oder was meinst du?“, fragt Melek in den Raum hinein. Wen sie mit „du“ meint, kann man ja nicht sehen.
„Ich denke eher, das sind Karotten“, ruft Lotti von der Tischmitte. Sanne, die in ihrer Nähe hockt, meint dagegen, es sei etwas mit Huhn.
„Weder noch, Mädels“ sagt der Kellner zu meiner Rechten mit einer wundervollen, sonoren, männlichen Stimme. „Wer als erste rät, was es ist, muss nachher nicht spülen.“
Er stellt etwas auf den Platzteller vor mir, dem Klang nach eine Porzellanschüssel. Dabei erhasche ich einen Hauch seines Körperdufts. Er riecht unglaublich gut und rüttelt meine Libido wieder wach, die gerade ein wenig abgelenkt war wegen all der neuen Eindrücke um mich herum. Ich kann fühlen, dass er neben mir stehen bleibt. Offenbar wartet er darauf, was wir gleich sagen werden. Ich taste nach dem Löffel, führe ich unbeholfen in die Schüssel und danach zum Mund, was sich einfacher anhört als es ist. Tatsächlich lande ich zuerst an meinem Kinn, weil der Löffel eine andere Länge hat und schwerer ist als meiner zuhause.
Dann die erste Überraschung: die Suppe ist kalt. Offenbar wollte man verhindern, dass wir uns irgendetwas verbrennen, solange wir noch unbeholfen mit dem Besteck umgehen. Die zweite Überraschung: sie schmeckt nach nichts. Beziehungsweise nach nicht sehr viel. Ich vermute Gurke. Eine Art Gazpacho aus Gurke und noch irgendetwas, das ich nicht einordnen kann.
„Und? Was meint ihr?“
Wieder diese tiefe Stimme, diesmal von der Stirnseite des Tisches, schräg vor mir. Sie dringt in mich ein, geht durch mich hindurch, wie ein heißes Messer durch Butter.
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