Dann passierte mir dieser unsägliche Sexskandal. Danach prangte mein Konterfei vom Titel sämtlicher Revolverblätter und ich floh Hals über Kopf aus Paris. Ich traute mich damals nur noch mit 'ner Burka auf die Straße. Ich nahm den nächstbesten Flug und landete prompt in Marrakesch. Dort traf ich Rasul Ibn Hadhid. Leider besucht mich der schöne Scheich nur selten in dem Appartement, das immerhin er finanziert hat. Also habe ich viel Zeit, neue Sexskandale auszulösen. Naja diesmal war es ja glimpflich ausgegangen. Aber ich vermisste Jay. Ich dachte an damals, als ich ihn das erste Mal traf...
Jay stand plötzlich vor mir, als ich gerade traurig die Seine entlang schlich, genau wie jetzt. Ich habe das manchmal, diese Phasen der Traurigkeit. Er lächelte mich einfach nur an. Missmutig sah ich zu ihm auf.
"Ich weiß genau, was du jetzt brauchst."
Ich sagte nichts, sah nur trübsinnig vor mich hin.
"Ja. Ich habe es in deinen Augen gesehen. Du brauchst 'nen Fick."
So viel Offenheit entwaffnete mich. Außerdem hatte er wahrscheinlich Recht. Ich lachte auf.
"Lass mich raten. Du würdest mich aus meiner Not erlösen."
"Voila. Warum nicht? Stets zu Diensten.
Pardon! Gestatten? Jay."
Er reichte mir seine Hand.
"Claudette!"
Ich lief weiter. Jay trabte unbeirrt neben mir her. Ich sagte nichts, hing einfach nur meinen trüben Gedanken nach. Aber ich ließ zu, dass er nach einer Weile seinen Arm um mich legte. Das tat mir irgendwie gut. Ja, ich fühlte mich wohl in seiner Obhut. Ich schmiegte mich ein wenig enger an ihn. Er hatte einen schönen, muskulösen Körper.
Wir waren schon eine Weile gelaufen und langsam verwandelte sich die Farbe des Himmels in ein tiefes Blau. Ich liebe das. Die blaue Stunde.
"Was ist, Claudette? Soll ich dich erlösen? Oder willst du etwas essen? Hast du Hunger? Ich kenne ein vorzügliches Lokal, gleich hier in der Nähe."
"Ja", sagte ich knapp.
"Was, ja? Das Essen oder die Erlösung?
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