Brennende Leidenschaft

Das Etablissement II

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Brennende Leidenschaft

Brennende Leidenschaft

Joana Angelides

Anastasios bedeute jenem der Seminaristen, von dem er wusste, dass es dieser war, der das Begehren des zu Züchtenden  immer wieder erweckte, ihn anzuketten, was dieser sehr zögerlich und mit Tränen in den Augen tat. War es doch er, der sich in der Beichte dahingehend geäußert hatte, ohne die Folgen zu bedenken.
Einer der anderen Seminaristen musste sich wie immer zu solchen Anlässen an das Harmonium setzen und von einem Notenblatt die vorgesehene Kirchenmusik möglichst laut spielen. Sie diente teilweise auch dazu, die Wehlaute der Gezüchteten zu übertönen.

Dann trat Anastasios hinter den Delinquenten und begann ihn auszupeitschen. Die Mitbrüder beteten laut, sie wollten die Schreie Melchiors ebenfalls übertönen. Doch es gelang nicht völlig. Bruder Anastasios war ein Fanatiker, er schlug mit voller Kraft zu und hielt sich an die Erkenntnis, immer kleine Pausen zu machen, um den Schmerz zu steigern. Er hatte überhaupt kein Verständnis für Ungehorsam, und schon gar keines für die sexuellen homophilen Neigungen seiner Mitbrüder. Es machte ihn verrückt, zu wissen, dass sie es hinter seinem Rücken, besonders in den Räumen des Priesterseminars trieben.
Zwischen den Hieben rief Melchior Gott an, bedankte sich für die Strafe und schrie, dass er bereue. Manches Mal wurde seine Stimme schrill, oder ging in gurgelnden Lauten unter, endete jedoch immer in Schmerzensschreien.
Diese Schmerzensschreie und sein lautes Beten hallten in der Kapelle wider, jeder bekam Angst, am nächsten Buß-Freitag der Nächste zu sein, denn heute schien es besonders schlimm zu sein. Offenbar bekam diese Strafe eine besondere Eigendynamik durch die fortschreitende Arroganz des Beichtvaters. Einige, die dieses Mal reinen Gewissens waren, genossen es allerdings und spürten die ungeheure Erregung, die sich in ihren Körpern ausbreitete. Es war wieder eine emotionell geladene Stimmung.

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