Sie stellte ihm eine Flasche Kognak und ein Glas hin und bedeutete ihn, sich zu setzen.
„Sie haben mich getäuscht, belogen und benützt!“, sagte sie streng.
„Ehrwürdige Mutter, ich will mich nicht herausreden. Ja, ich habe sie benützt, aber nicht nur ich“, er senkte seinen Blick.
„Wollen Sie sagen, der Prior…?“, sie blickte ungläubig.
„Ich nehme an, er ist tot und man soll über Tote nichts Schlechtes sagen, aber wir hatten eine Vereinbarung.“, er wollte sonst nichts weitersagen.
„Schildern Sie mir, was heute Abend geschah und nur heute Abend!“, hob sie mahnend ihren Zeigefinger:
Er erzählte ihr von der rasanten Veränderung des Priors in den vergangenen Tagen, von seinen Skrupeln, sowie seiner Angst vor der Strafe Gottes und versuchte ihr nahe zu bringen, dass sich Kyrill zu seinem Glauben und seinen Werten offensichtlich rückbesonnen hatte. Er hoffte, dass das ihre Sicht der Dinge verbessern würde. Dann schilderte er vom Ausbruch des Feuers und dass es wahrscheinlich der Prior selbst gelegt hatte. Als er ihr schilderte, wie er den jungen Seminaristen erhängte, indem er ihn über die Brüstung warf, bekreuzigte sie sich.
„Sie und die Fürstin werden morgen Früh mein Kloster verlassen! Wir werden Wochen brauchen um unser Refugium von dem Ruß und auch dem Schmutz ihrer Gegenwart gereinigt zu haben. Wir wollen Sie hier nie wiedersehen!“, sie bekreuzigte sich wieder, stand auf und ging zum Fenster. „Sie können ja die Kutsche der Fürstin verwenden, sie steht im hinteren Teil des Pferdestalles. Ich nehme an, Sie können damit umgehen?“
„Ja, Ehrwürdige Mutter und ich hoffe Sie können mir vergeben!“.
Er bekam keine Antwort.
Am nächsten Morgen verließen die Drei das Kloster. Nur zwei Schwestern halfen der Zofe wortlos mit dem Gepäck.
Graf Nikolai hatte nichts zu verladen, er besaß nur das, was er am Leibe trug. Er ging auch nicht wieder zum Kloster zurück. Es war sicher alles verbrannt und er wollte außerdem auch nicht wieder attackiert und auch nicht mit dem Untergang konfrontiert werden.
Es war für die Brüder offenbar leichter die Schuld bei anderen, als bei sich selbst zu suchen.
Man hatte ihm, barmherziger Weise, eine alte Jacke und alte Schuhe aus dem Fundus des Klosters abgegeben und eine Decke, um sich einigermaßen auf dem Kutschbock zu schützen.
Fürstin Natalia Federowa stand stumm und noch immer im Schockzustand neben ihm und klammerte sich an seinen Arm. Während des Beladens sprachen sie kein Wort miteinander. Graf Nikolai musste es erst verdauen, dass „seine Lydia“ in Wirklichkeit tatsächlich die Fürstin Natalia Federowa war. Die Erkenntnis und Tragweite dieses Tatbestandes veränderte alles, er konnte noch nicht abschätzen, was das für die Zukunft bedeutete.
Sie blickten noch einmal auf die rauchenden Trümmer des Mönchsklosters von Pater Prior zurück und dann verschwand die Kutsche in der Biegung.
Die Mutter Oberin stand in ihrem Alkoven. blickte ihnen ernst nach und hob segnend ihr Kruzifix.
Brennende Leidenschaft
Das Etablissement II
17 10-16 Minuten 0 Kommentare
Brennende Leidenschaft
Zugriffe gesamt: 6238
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.