Brennende Leidenschaft

Das Etablissement II

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Brennende Leidenschaft

Brennende Leidenschaft

Joana Angelides

Fürstin Federowa hielt sich fast nur in ihren Räumen auf. Die Schwestern hatten den Eindruck, dass sie immer kraftloser wurde, anstatt sich zu erholen. Sie bekam eine besondere Nahrung, kräftigende Suppen mit Fleischeinlagen, doppelte Portion Brot und zu jedem Mahl ein Glas Wein. Die Nächte mit Nikolai zeigten jedoch ihre Wirkung. Sie hatte kaum so viel Zeit bei Tage, um nach den Nächten mit ihm wieder zu Kräften zu kommen. Er war kein Hengst, er war ein Stier. Ihr Körper hatte sich so auf ihn eingestellt, dass sie, kaum, dass er sie an einer erogenen Stelle nur berührte, bereits ihren ersten Orgasmus hatte. Er wurde immer rasender und wilder, je öfter sie sich trafen. Sie wusste in ihrem Innersten, dass das auf keinen Fall in St.Petersburg so weitergehen konnte, sie würde das gesundheitlich nicht aushalten. Außerdem war da noch ihr Gatte, Fürst Michail Federow, der ja auch seine Leidenschaft für Lydia, alias seine Ehefrau entdeckt hatte und Forderungen diesbezüglich hatte.
Sie merkte dabei gar nicht, dass sie langsam aber sicher nach Graf Nikolai süchtig wurde. Sie lag den ganzen Tag auf ihrem Bett und konnte kaum den Abend erwarten. Es waren bisher fünf Tage und Nächte so vergangen und ihr Körper vibrierte kontinuierlich.

Zur gleichen Zeit spielte sich eine kleine Liebesaffäre unter den Augen der Mutter Oberin ab, die jedoch total unbemerkt blieb.
Sie beorderte Schwester Benedikta hinüber ins Männerkloster, um die Jahresabrechnung zwischen ihren beiden Klöstern gemeinsam mit Bruder Jarolym, den sie für absolut seriös hielt, zu machen.
Jarolym empfing Benedikta im Lagerraum, an seinem Schreibtisch und hatte schon alles vorbereitet. Sie setzte sich burschikos neben ihm, ihr Duft nach Seife und Kräutern stieg ihm in die Nase, erreichte sein Gehirn und ließ ihn fast den Verstand verlieren.
Immer wenn sie eine Zahl nannte, oder eine Frage hatte, strahlten ihn ihre dunklen Augen an und ihre weißen strahlenden Zähne blitzten aus dem vollen, sinnlichen Mund. Es war ein Mund, der Sünde versprach, erotische Ausstrahlung hatte. Ihre Lippen waren ungewöhnlich drall und rot. Es machte ihn verrückt.
Mitten im Satz stockte sie plötzlich und blieb an seinen Augen hängen. Es entstand eine Pause, die immer peinlicher wurde. Da geschah etwas Unerwartetes. Sie rückte näher, ihre rechte Hand lüpfte seine Kutte immer höher und höher und plötzlich packte sie zu. Sie umspannte seinen bereits die ganze Zeit erigierten Penis und ihr Mund kam immer näher, bis sie sich küssten. Es war wie eine Explosion. Es machte „Bäng“, sie klammerten sich aneinander und landeten schließlich auf dem Fußboden.
Er stellte fest, dass sie kein Beinkleid trug, ebenso nackt darunter war wie er und ihre Schamhaare bereits im Vorhof feucht waren. Er war nicht mehr aufzuhalten, er rammte sein Glied in sie und sie erwiderte jeden Stoß, hob und senkte das Becken und stöhnte leise. Er registrierte so nebenbei, dass sie keine Jungfrau mehr war. Es war unerwartet, ohne jedes Vorspiel, ohne Worte, es war reine Lust und Verlangen. Ihre Körper sackten zusammen, sie verloren sich noch in einen langen Kuss, dann standen sie auf.

„Benedikta, ich….“, der stammelte
„Jarolym, das war schon längst fällig! Du hättest Dich nie getraut, also habe ich die Initiative ergriffen“, lächelte sie ihn, unschuldig lächelnd an. Er fühlte sich im ersten Moment wie der glücklichste Mensch der Welt, er hatte in letzter Zeit an nichts Anderes gedacht. Aber es kam ihm andererseits sehr nüchtern vor, wie sie das abhandelte, eigentlich fühlte er sich ein wenig überrumpelt.
Sie brachte ihre Soutane in Ordnung, richtete ihre Haube wieder gerade und machte wieder ein unbeteiligtes Gesicht.
Sie ordnete ihre Papiere, unterschrieb den Konsens und verabschiedete sich, als wäre nichts geschehen. Sie hinterließ einen verwirrten Klosterbruder.

Der Buß-Freitag

Die Stimmung im Kloster von Prior Kyrill war angeheizt. Es war wieder einmal  Buß-Freitag  und die Klosterbrüder waren nervös. Während der kürzlichen Abwesenheit des Priors war doch ein gewisser Schlendrian eingekehrt und einige der Brüder hatten ihre mehr oder weniger großen Sünden bei Anastasios gebeichtet und harrten nun der Urteile.
Das Abendessen verlief fast schweigend. Dann wechselten sie in die Kapelle zum üblichen gemeinsamen Gebet. Doch vorher wurde noch Gericht gehalten.

Sie knieten in den Bänken mit gesenkten Köpfen. Bruder Anastasios trat an die Kanzel und nahm sein Buch hervor. Er verlas einige Namen und die zugehörende Strafe dazu. Es gab für einige Gebete, besondere Arbeiten, für zwei auch Züchtigungen in den eigenen Räumen.

Dann kam die letzte Verkündung.

„Bruder Melchior trete hervor“, seine Stimme war laut und fest.
Bruder Melchior stand langsam auf und begab sich nach vorne und kniete nieder. Er hatte die Hände zum Gebet gefaltet und den Kopf gesenkt.
„Du hast gesündigt, Deinen fleischlichen gelüsten freien Lauf gelassen. Ich verurteile Dich zu fünfundzwanzig Hieben mit der Weidengerte. Es ist das erste Mal und daher ist die Strafe so milde! Ich erwarte, dass Du Dich während er Prozedur bei Gott für die Strafe bedankst und Deine Sünde bereust!“
Melchior zuckte zusammen. Er wusste, wie heimtückisch die Weidengerten waren. Sie waren dünn, sehr elastisch und hatten auch kleine Unebenheiten, die die Haut aufrissen. Sie brannten auf der Haut und der Schmerz fraß sich tief in den Körper. Es war tatsächlich das erste Mal, dass er so eine harte Strafe bekam. Bisher waren es immer Gebete oder besondere Arbeiten, die er durchführen musste.
Er entledigte sich mit geschlossenen Augen der Kutte und stand, mit dem Rücken zu den Mitbrüdern, nackt vor Anastasios. Dieser deutete auf den Boden und er legte sich ergeben hin.
Anastasios bedeute jenem der Seminaristen, von dem er wusste, dass es dieser war, der das Begehren des zu Züchtenden  immer wieder erweckte, ihn anzuketten, was dieser sehr zögerlich und mit Tränen in den Augen tat. War es doch er, der sich in der Beichte dahingehend geäußert hatte, ohne die Folgen zu bedenken.
Einer der anderen Seminaristen musste sich wie immer zu solchen Anlässen an das Harmonium setzen und von einem Notenblatt die vorgesehene Kirchenmusik möglichst laut spielen. Sie diente teilweise auch dazu, die Wehlaute der Gezüchteten zu übertönen.

Dann trat Anastasios hinter den Delinquenten und begann ihn auszupeitschen. Die Mitbrüder beteten laut, sie wollten die Schreie Melchiors ebenfalls übertönen. Doch es gelang nicht völlig. Bruder Anastasios war ein Fanatiker, er schlug mit voller Kraft zu und hielt sich an die Erkenntnis, immer kleine Pausen zu machen, um den Schmerz zu steigern. Er hatte überhaupt kein Verständnis für Ungehorsam, und schon gar keines für die sexuellen homophilen Neigungen seiner Mitbrüder. Es machte ihn verrückt, zu wissen, dass sie es hinter seinem Rücken, besonders in den Räumen des Priesterseminars trieben.
Zwischen den Hieben rief Melchior Gott an, bedankte sich für die Strafe und schrie, dass er bereue. Manches Mal wurde seine Stimme schrill, oder ging in gurgelnden Lauten unter, endete jedoch immer in Schmerzensschreien.
Diese Schmerzensschreie und sein lautes Beten hallten in der Kapelle wider, jeder bekam Angst, am nächsten Buß-Freitag der Nächste zu sein, denn heute schien es besonders schlimm zu sein. Offenbar bekam diese Strafe eine besondere Eigendynamik durch die fortschreitende Arroganz des Beichtvaters. Einige, die dieses Mal reinen Gewissens waren, genossen es allerdings und spürten die ungeheure Erregung, die sich in ihren Körpern ausbreitete. Es war wieder eine emotionell geladene Stimmung.

Prior Kyrill kniete in seinem Betschemel neben dem Altar und betete besonders inbrünstig. Er hatte den Mitbruder direkt vor Augen und sah sein schmerzverzerrtes Gesicht. Er versetzte sich in die Rolle von Melchior und wollte seine Pein am liebsten übernehmen. Er war genauso schuldig, wenn nicht in noch höherem Maße aufgrund seiner Stellung im Kloster. Vor seinem geistigen Auge rollten die Ereignisse der letzten Wochen wie ein Film ab. Seine Erlebnisse im Etablissement der Madame Alexandrowa, seine Begegnung mit Pawlow, seine offenbare Unterwerfung und sein Verlangen nach ihm.
Er hob den Blick und es traf ihn wie ein Blitz. Pawlow blickte während der ganzen Tortur von Melchior unverwandt zu ihm herüber und seine Blicke drückten den blanken Triumph aus. Er erriet offenbar seine Gedanken, genoss seinen Seelenschmerz und Kyrill wusste, dass er heute nach dem Gebet wieder in seinen Raum kommen würde, um ihn zu demütigen. Und er würde heute härter zuschlagen.

Anastasios hatte inzwischen die Strafe vollzogen. Die Rückenansicht Melchiors war mit Striemen übersät. Er lag nun schwer atmend mit dem Gesicht auf dem Steinboden und man konnte sehen, dass er versuchte, sich zu sammeln. Anastasios verließ die Kapelle und ging in die rückwärtige Sakristei. Er machte einen unbeteiligten Eindruck, war in Wirklichkeit befriedigt und sehr zufrieden mit sich. Er genoss es, wenn er sich als Werkzeug Gottes fühlen konnte.
Prior Kyrill stand auf und verließ mit gesenktem Haupt die Kapelle. Er begab sich in seine Kemenate, verschloss sie von Innen und griff zur Peitsche an der Wand. Er vollzog die Strafe mit Inbrunst und brüllte dabei seine Pein zu Gott hinaus, küsste dabei das Kruzifix.

Die anderen Mitbrüder liefen zu Melchior hin und halfen ihm auf. Sie waren alle erleichtert, dass sie dieses Mal davongekommen waren. Einige von ihnen hatten diese Strafe schon über sich ergehen lassen müssen und wussten ob der tagelang anhaltenden Schmerzen.

Graf Nikolai war in seinem Raum und wartete voller Ungeduld auf Lydia. Er hörte das laute Beten und die Kirchenmusik aus der Kapelle herüber und wunderte sich. So lange waren die Abendgebete sonst ja nicht und auch nicht so laut. Von einem Moment auf den anderen war es plötzlich ruhig. Man hörte noch verschiedene Türen zu fallen, dann Stille.

Er hätte gerne einmal ausprobiert, wie Lydia so auf eine Züchtigung reagieren würde, doch das wird er sich für St. Petersburg aufheben müssen, sie konnte sich keine Striemen leisten, da sie ja täglich von den Schwestern therapiert wurde. Lydia hatte ihm ihre totale Erschöpfung, aber auch von den erhebenden Gefühlen nach ihren gemeinsamen Nächten gestanden, dass sie sich total fallen ließ, in diese Welt der absoluten Lust und Erotik eintauchte und danach meinte, jede Nacht im Fegefeuer gewesen zu sein. Das war das erste Mal; dass sie mit einem Freier über Gefühle sprach. Sie waren beide Gefangene ihrer Lust, auch Graf Nikolai konnte seinen Körper nicht mehr völlig beherrschen.

Wieder huschte sie in seinen Raum und er fing sie hastig auf. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, warf er sie auf das Bett und begann ihr Mieder, das heute schwarz und mit Spitzen übersät war, aufzuhaken. Sie duftete wieder nach Moschus, Vanille und Jasmin und er verlor sofort die Kontrolle über sich. Es war ein Duft, den sie sich in der Altstadt von St.Petersburg immer von einem Alchimisten brauen ließ, der sofort alle Hemmungen beseitigte und jeden Mann zu einem rasenden Tiger werden ließ. Er putschte ihn derartig auf, dass er sie sofort penetrierte und in Trance versetzte.

Sie hörten daher nicht sofort die Unruhe, rochen nicht den Rauch und Qualm, der unter der Türe hereinkam. Erst als sie zu husten begannen und keine Luft mehr bekamen, schreckten sie auf.
„Oh Gott, es brennt!“, schrie Nikolai.
Sie sprangen auf und Nikolai riss die Türe zum Säulengang auf. Dichter Qualm drang herein, draußen war die Hölle los. Die Brüder liefen mit Holzeimern voll Wasser herum, gossen es ziel- und planlos überall hin und alle schrien.
Nikolai hatte Lydia den Umhang übergeworfen, sich selbst die Beinkleider angezogen und zog sie hinter sich her.
„Komm in die Kapelle, die ist ganz aus Stein, dort finden wir vielleicht Schutz!“
Er zog sie hinüber.
Vor dem Turm der Kapelle standen schon einige der Klosterbrüder und starrten in den Glockenturm hinauf. Dort oben stand Prior Kyrill. Er schwang einen Strang der Glocke, läutete und schrie irgendwelche Gebete, während die Flammen schon auf den Turm übergriffen.
Neben ihm stand Pawlow mit weit aufgerissenen Augen, den anderen Glockenstrang um den Hals geschlungen und versuchte sich mit den Händen am Strick zerrend, zu befreien. Doch Prior Kyrill hatte ihn so fest im Griff, dass es ihm nicht gelang. Dann stieß er mit einem Ruck den Körper des jungen Seminaristen über die Brüstung, dieser zappelte noch einige Male, dann hing sein Körper leblos herab. Kyrill schwang den anderen Strang weiterhin und rief dabei Gott an, sang dazwischen.
„Das war Luzifer, er soll brennen!“, schrie er immer wieder, während die lodernden Flammen an seiner Soutane hinauf züngelten.

„Er hat Pawlow getötet, er hat das Kloster angezündet!“, schrie einer der Brüder. Lydia begann zu weinen.
Plötzlich drehten sich Einige um und starrten Graf Nikolai und Lydia an. Sie begriffen offenbar schnell und einer griff zu einem herumliegenden brennenden Holzscheit und hob es in die Höhe, um es auf sie zu schleudern.
„Ihr seid schuld, Ihr habt die Sünde zu uns gebracht, das hat den Prior verrückt gemacht!“
Sie wussten es nicht besser.

Graf Nikolai zerrte Lydia hinter sich her und sie flüchteten hinüber zum Frauenkloster. Dort standen die Schwestern an den Fenstern, hielten Kruzifixe hinaus und beteten. Ihre Augen waren weit aufgerissen vor Furcht und Entsetzen.
Als die Beiden gerannt kamen, öffnete sich das Tor und man ließ sie hinein. Lydia rannte, so rasch sie konnte zu ihren Räumen. Auch ihre Zofe Katharina stand im Alkoven und starrte zum brennenden Turm hinüber. Das Entsetzen war in ihrem Gesicht zu sehen. Inzwischen standen schon das ganze Kloster und auch der Glockenturm gegenüber in Vollbrand. Der Rauch versperrte weitgehend die Sicht. Dazwischen sah man jedoch lodernde Flammen. Der Himmel war blutrot gefärbt.

Die Fürstin war voller Ruß, ihre Haare waren angesengt und sie weinte noch immer. Sofort begann sich das Mädchen sich um sie zu kümmern, zog sie aus, holte eine Schüssel mit Wasser und begann zumindest ihr Gesicht zu reinigen. Die Maske hatte sie längst verloren, es war ihr egal.
Die Mutter Oberin bemühte sich, ihre Schwestern halbwegs zu beruhigen. Sie untersagte ihnen, hinüber zu laufen um zu helfen. Sie wusste, das war zum jetzigen Zeitpunkt völlig sinnlos. Sie konnten nichts tun. Vielleicht morgen, man könnte nach Verletzten Ausschau halten.
Graf Nikolai stand, nur mit einem Beinkleid bedeckt, mit nacktem Oberkörper in der Eingangshalle und versuchte wieder Luft zu bekommen. Auch er war voller Ruß und hatte einigen blutenden Wunden, die er von herumfliegenden glühenden Teilchen davongetragen hatte.

Die Mutter Oberin hatte die Situation natürlich sofort erfasst. Seine und die Rolle der Fürstin erkannt und wusste, dass sie sofort handeln musste.
„Kommen Sie mit in unsere Behandlungsräume!“
Er folgte ihr.
Dort waren zwei Schwestern dabei, für alle Eventualitäten Verbände und Mixturen vorzubereiten.
„Da, übernehmt diesen Sünder, verarzt ihn und gebt ihm dann was zum Überziehen, er ist ja fast nackt!“, befahl sie ihnen, „und Sie kommen dann zu mir in den Besucherraum!“

Als er sich nach einer Weile bei ihr meldete, sah sie ihn eine Weile stumm und verächtlich an. Sie stellte ihm eine Flasche Kognak und ein Glas hin und bedeutete ihn, sich zu setzen.
„Sie haben mich getäuscht, belogen und benützt!“, sagte sie streng.
„Ehrwürdige Mutter, ich will mich nicht herausreden. Ja, ich habe sie benützt, aber nicht nur ich“, er senkte seinen Blick.
„Wollen Sie sagen, der Prior…?“, sie blickte ungläubig.

„Ich nehme an, er ist tot und man soll über Tote nichts Schlechtes sagen, aber wir hatten eine Vereinbarung.“, er wollte sonst nichts weitersagen.

„Schildern Sie mir, was heute Abend geschah und nur heute Abend!“, hob sie mahnend ihren Zeigefinger:

Er erzählte ihr von der rasanten Veränderung des Priors in den vergangenen Tagen, von seinen Skrupeln, sowie seiner Angst vor der Strafe Gottes und versuchte ihr nahe zu bringen, dass sich Kyrill zu seinem Glauben und seinen Werten offensichtlich rückbesonnen hatte. Er hoffte, dass das ihre Sicht der Dinge verbessern würde. Dann schilderte er vom Ausbruch des Feuers und dass es wahrscheinlich der Prior selbst gelegt hatte. Als er ihr schilderte, wie er den jungen Seminaristen erhängte, indem er ihn über die Brüstung warf, bekreuzigte sie sich.

„Sie und die Fürstin werden morgen Früh mein Kloster verlassen! Wir werden Wochen brauchen um unser Refugium von dem Ruß und auch dem Schmutz ihrer Gegenwart gereinigt zu haben. Wir wollen Sie hier nie wiedersehen!“, sie bekreuzigte sich wieder, stand auf und ging zum Fenster. „Sie können ja die Kutsche der Fürstin verwenden, sie steht im hinteren Teil des Pferdestalles. Ich nehme an, Sie können damit umgehen?“

„Ja, Ehrwürdige Mutter und ich hoffe Sie können mir vergeben!“.
Er bekam keine Antwort.

Am nächsten Morgen verließen die Drei das Kloster. Nur zwei Schwestern halfen der Zofe wortlos mit dem Gepäck.

Graf Nikolai hatte nichts zu verladen, er besaß nur das, was er am Leibe trug. Er ging auch nicht wieder zum Kloster zurück. Es war sicher alles verbrannt und er wollte außerdem auch nicht wieder attackiert und auch nicht mit dem Untergang konfrontiert werden.
Es war für die Brüder offenbar leichter die Schuld bei anderen, als bei sich selbst zu suchen.
Man hatte ihm, barmherziger Weise, eine alte Jacke und alte Schuhe aus dem Fundus des Klosters abgegeben und eine Decke, um sich einigermaßen auf dem Kutschbock zu schützen.

Fürstin Natalia Federowa stand stumm und noch immer im Schockzustand neben ihm und klammerte sich an seinen Arm. Während des Beladens sprachen sie kein Wort miteinander. Graf Nikolai musste es erst verdauen, dass „seine Lydia“ in Wirklichkeit tatsächlich die Fürstin Natalia Federowa war. Die Erkenntnis und Tragweite dieses Tatbestandes veränderte alles, er konnte noch nicht abschätzen, was das für die Zukunft bedeutete.

Sie blickten noch einmal auf die rauchenden Trümmer des Mönchsklosters von Pater Prior zurück und dann verschwand die Kutsche in der Biegung.

Die Mutter Oberin stand in ihrem Alkoven. blickte ihnen ernst nach und hob segnend ihr Kruzifix.

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