Brombeeren

7 2-5 Minuten 0 Kommentare
Brombeeren

Brombeeren

Azraela

Da stand sie wieder auf dem Balkon im Untergeschoss, ganz nahe an der Brüstung. Sie wollte doch wohl nicht etwa schon wieder über das Geländer klettern, wie letzte Woche. Er war so wie heute mit seinem Freund genau vor einer Woche hier entlang geschlendert und hatte gesehen wie sie wie eine Gazelle hinübergeklettert war, nur um sich den anscheinend längeren Weg zu dem Ziel ihres Weges zu sparen. Es war zwar sehr hübsch anzusehen gewesen, wie sie da mit sportlichem Schwung hinüberstieg und er hatte diesen Anblick sogar irgendwie genossen. Umso erstaunter war er über sich selbst, dass er ihr laut und fast erbost zugerufen hatte, dass dies ja nun wirklich nicht der offizielle Weg sei. Was hatte ihn da nur getrieben?
Dass er wie ein Hausmeister sein Revier verteidigen musste, seine Gebäude? Oder war es einfach weil sich so etwas nicht gehörte? Wofür schließlich gab es Türen?
Sie hatte daraufhin lediglich kurz über ihre Schulter geschaut, ihn frech angegrinst, um dann unbeirrt ihren Weg fortzusetzen.
Er wusste nicht, was ihn mehr gefuchst hatte. Der eigentliche Tatbestand einfach über den Balkon zu klettern oder dieses ohne Reue zu tun und ihm das auch noch in solch einen Grinsen zu demonstrieren. Sein Freund hatte daraufhin nur gelacht und gemeint sie wäre anscheinend von der ganz feschen Sorte.
Ja, das war sie und das konnte sie sich auch erlauben wie er fand. Richtig hübsch anzusehen, die Kurven genau da wo er sie für richtig befand. Ihr Anblick konnte ihn zum Schmelzen bringen. Und sie hatte ihn angelächelt, okay gegrinst, aber das allein war es schon wert gewesen. Ein "Grinsen", das nur ihm gegolten hatte.
Ja und nun stand sie schon wieder auf dem Balkon und schaute ihn an - lächelte ihn an - winkte ihm sogar zu. Was hatte sie vor? Wollte sie sich lustig machen? Irgendetwas hielt sie in der Hand. Als er näher kam erkannte es. Brombeeren große, lecker aussehende, tief schwarze Brombeeren.
Sie hielt ihre Hand über die Brüstung und bot ihm die Beeren an. Sollte er? War es als Wiedergutmachung gedacht? Für ihr Verhalten vor einer Woche? Sein Freund lehnte dankend ab. Er hingegen nahm die Brombeeren an. Wie süß und saftig sie schmeckten, genau wie sie aussahen.
"Sind richtig lecker, nicht wahr? Und das Beste, es gibt hier keine Dornen!" hörte er sie sagen. Schon hielt sie eine neue Beere bereit, dieses Mal über Kopfhöhe. Er ahnte was es bedeuten sollte. Hol sie dir doch wenn du sie magst, traust du dich? All diese Dinge meinte er in ihrem Gesicht nur zu deutlich lesen zu können. Sie lächelte, schien aber selbst gespannt zu sein wie er reagieren würde. Dieses kleine Fragezeichen in ihrem Blick, gab den Ausschlag. Er würde mal schauen, was nun als nächstes passieren würde. So stellte er sich unter ihre Hand, schaute hoch und öffnete nur seinen Mund.
Behutsam lies sie die Beere genau in seinen offenen Mund fallen. Und dann kam auch schon die nächste - natürlich noch höher. Wieder öffnete er seinen Mund aber dieses Mal sah er nur wie sie verneinend ihren Kopf schüttelte. Selbst mit ausgestrecktem Arm erreichte er die Beere nicht. Er hätte schon am Geländer hochklettern müssen um - das war es also! "So ein Biest!", dachte er bei sich.
Sie wollte ihn dazu verleiten, selber mal die Brüstung hochzuklettern. Sollte er ihr diesen Triumph lassen? Er zögerte. - Sie schien genau zu wissen warum - fing an mit der Beere verführerisch zu kreisen.
"Gefahr erkannt, Gefahr gebannt", dachte er bei sich, aber dies war auch eine einmalige Gelegenheit ihr nahe zu kommen. "Um etwas Süßes zu vernaschen, wage ich fast alles!" rief er aus und schon stand er auf den Balkon. Keine Brüstung trennte sie nun vor einander.
"So, so! Wer sagt denn, dass es hier etwas zu naschen gibt?" fragte sie im provokanten Ton. Dann sah er wie sie die Brombeere langsam zu ihrem Mund führte. Seine Beere - seine Beute - drohte von ihr vernascht zu werden. Wie zum Zeichen des Sieges nur zwischen zwei Fingern gehalten und kurz davor, für immer zu verschwinden. Das konnte er doch nicht zulassen! Ehe sie sich versah war er heran, blitzschnell stahl sein Mund ihr die Frucht. Dass ihre Lippen sich dabei berührten - unvermeidlich! Süß - weich und so süß - einfach lecker.
Sie schien das gleiche zu denken - oder wollte sie ihm etwa nur wieder die Beere abluchsen? Egal nur weiterhin ihre Lippen spüren, schmecken, lecken. Er war berauscht. Solche wunderbare Lippen! Nur undeutlich vernahm er die Stimme seines Freundes, der sich räusperte und irgend so etwas wie "dann geh' ich mal" zu sagen schien.
Für eine Antwort hatte er weder die Zeit noch den Atem - und seine Lust hing nun eh an ihren Lippen. Er zog sie fest in seine Arme, um sie ja nicht zu verlieren - diesen Lippen nah zu bleiben. Er genoss nun beides, seine Brombeere und ihre Lippen und zu seiner größten Freude bemerkte er, dass auch ihr Interesse eher seinen Lippen galt. Sie legte ihre Arme fest um ihn - um ihn an sich zu binden? Mehr noch, sie zog ihn langsam mit sich - in die Wohnung hinein - durch das Wohnzimmer in den Flur - dann ein Raum mit Bett!
Ihre "süßen Beeren" verlockten ihn - in ihr Schlafzimmer - und ohne Umschweife mit ihr auf das Bett.
Ein Zurück ließ sie nicht mehr zu!

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 500

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben