Bumm Bumm

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Bumm Bumm

Bumm Bumm

Claudia Carl

Oder um Noris bei sanftem Kerzenschein im Restaurant verwirrend in die Augen zu schaun...
Sie kam zwischendurch wieder zur Vernunft, durchaus. Und sie trug es mit Fassung, dass Noris am 23. bei seiner Mama war und auch am 26. nicht rechtzeitig zur verabredeten Zeit zurückkommen konnte. Na klar, die Mama geht vor. Und seine Freunde und seine Spielzeuge...
Was ist das für eine Art von Liebe, fragte sich Mona, als sie am zweiten Weihnachtsfeiertag auf dem Sofa lag, in ihrem rosa Glitzerkleidchen, einparfümiert, frisiert, rasiert, und auf seinen Anruf wartete wie ein verkleidetes Bonbon. Eine Zuneigung, die Rührung auslöste. Wie der Anblick einer Rose in den Augen eines Bettlers.
Rührung angesichts der nächsten email, die sie bekam.
Hey, Mona, bin gerade in Panama, James hat hier ein neues DJ-Office eröffnet. Voll super Wetter, Strand und Bumm-Bumm.
Und Rührung, als er eine Weile später schrieb, er werde Mitte Januar nach Berlin ziehen. Spontanentschluß. Klar, voll gut. Sie müsse ihn aber ganz oft besuchen. Logisch.
Da war sie noch die weise Verzichterin, die Mein-Gott-der-Junge-weiss-ja-nicht-was-er-tuterin, die Lassunsfreundebleiben-Loslasserin.
Der Schuss traf dann mitten in der Nacht. Sie war mit Freunden in einer Kneipe. Laut, voll, jung. Sie war zu Besuch in der Stadt. Sie ging nachts, nachdem sie das Freundschafts- und Weiterfeierangebot einer 17jährigen abgelehnt hatte, in ihr Hotel zurück. Sie entdeckte, dass sie eine sms bekommen hatte.
- Bumm bumm, wo bist du?
Noris. Aus Berlin.
Dann klingelte ihr Handy. Um 1 Uhr 50.
Hey, Schätzle!
Schätzle!
Hey, Noris!
Wo bist du, Schätzle? Ich dachte, du wolltest bald nach Berlin kommen?
Im Februar, Noris.
Oja, hoffentlich bald. Ich möchte dich endlich wieder sehen.
Der Funke. Die Zündschnur brannte. Und die Bombe würde explodieren. In Berlin. Im Februar. Ganz sicher. Und sie wollte es. Und wie sie es wollte.
Das Bier ist leer. Soll sie noch eins bestellen? Du wirst noch zur Alkoholikerin, Mona. Außerdem macht Bier fett. Und ändert nichts an der Situation. Tapfer steht sie auf, verabschiedet sich vom Badeschlappen-Portier und verschwindet für ihre letzte Nacht in ihrem schrägen Zimmer. Morgen wird sie mit Herzschmerzen aufwachen. Ein letztes Mal sucht sie Wärme unter dem Grau der Decke, atmet den trockenen Geruch ein. Echte Alt-Berliner Zimmer, heisst es draussen an der Tür der Pension. Um die zwölf Quadratmeter Decke zieht sich raffinierter Stuck. Von draussen dringt das Klingeln des Telefons durch die Tür, dann die tiefe Stimme des Portiers. James! Sicher liegt alles nur an diesem James! Musste er auch ausgerechnet an diesem Wochenende zu Besuch sein?

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