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Geschichten vom Anfang der Sehnsucht

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Generell heißt es ja, Ehemänner erhofften sich von Urlaubsentspannung auch eine etwas höhere Frequenz erotischer Zuwendungen ihrer Angetrauten. Ich für meinen Teil muß gestehen, hege diese Hoffnungen zwar in abstrakter Form, erkenne aber bereits zu Beginn unverzüglich an wenigen markanten Punkten die — meist bedauerliche — Tendenz der kommenden Tage. Es dauert lange, bis sich meine Herzdame an neuen Orten so heimisch fühlt, dass sie lustvolle Unternehmungen startet und findet sie ein Hotelzimmer nicht wirklich klinisch rein vor oder einfach nicht ansprechend, ist die Sache schon gelaufen für die ersten Tage oder auch den Rest. Etwas unkomplizierter ist für sie Camping, da sie dann ja in den eigenen Sachen liegt, allerdings stört so eine dünne Tuchwand, sich gehen zu lassen, denn dabei leise zu sein ist nicht unbedingt ihre Sache. Erschwerend hinzu kamen lange Zeit Kindleins unruhiger Schlaf und Ängste in der Fremde, so dass ich mich meist betrübt darauf einzustellen hatte, dass ein Urlaub sehr schön sein kann, aber nicht unbedingt ein Quell erotischer Wiederbelebung des Ehelebens.

*

Es hatte sich verändert mit den Jahren. Ihre Sehnsucht nach Nähe war zunehmend dem — ehrlichen — Bedürfnis gewichen, ich möge in der Nähe sein. Und zunehmend hatte ich das Gefühl, ich sollte ihr wohl auch nicht allzu oft allzu nahe kommen.

Vom Liebhaber wurde ich so zum Geliebten, hatte wirklich den festen Platz in ihrem Leben, den ich mir ersehnt hatte. Aber damit schränkte sich unerwartet die Bandbreite meiner Gestaltungsmöglichkeiten zunehmend ein. Aufzubrechen, was sie sich als feste, angenehme Form ihres Lebens schuf, brachte Schmerz und Verletzung, und das macht der Liebende dann auch nicht ohne große Not und fügt sich, wenn es ihm irgend möglich ist.

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