Eine wunderschöne Apothekerin, schlank, mit schulterlangem, blonden Haar, bemühte sich ernsthaft, für den jungen Mann die angemessene Medikation zusammenzustellen und mir die korrekte Anwendung gesichert zu vermitteln. In dieser Anstrengung streckten wir uns beide über den Verkaufstresen und kamen uns näher, als dies sonst üblich wäre. In meine Panik, wie sie mich in meinem hygienischen Zustand wohl empfinden würde, mischte sich ein anregendes Wohlgefühl und meine vernachlässigte Seele — wie auch mein in selbigem Status befindlicher Körper — empfanden das ehrliche Bemühen dieser attraktiven Frau als ein Werben um mich, wenngleich der Verstand schon richtig stellte, dass es nur meiner Sorge um unseren Sohn galt.
Mein aufrichtiger Dank zauberte ein zufriedenes Lächeln auf ihr Gesicht und ich gebe zu, durch das Schaufenster suchte ich sie noch einmal zu sehen. Manchmal spürt man, dass man mit Interesse betrachtet wird, und tatsächlich trafen sich unsere Blicke. Damit bekam die Begegnung eine Note, die über den Anlaß hinausging, wir beide wussten es.
Jeder von uns hat dies schon irgendwann erlebt, diesen Moment, diesen Augen-Blick des absoluten Erkennens, wenn Blicke sich treffen und nicht mehr voneinander lösen, sondern einander durchdringen in der Gewissheit: Ich weiß, dass Du weißt, dass ich weiß!
Ich habe sie nie wieder gesehen. Diesen bewussten Moment aber erinnere ich, als wäre es eben erst geschehen.
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Die Medikamente halfen und angesichts der fortgeschrittenen Woche mussten wir unsere Rückreise zum Ausgangshafen antreten. Buzet sollte unser nächstes Nachtquartier sein.
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Ja, das Rammen der Kaimauer, Anlegen konnte man das ja nicht nennen, zog die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich. Wir waren unverzüglich bekannt und durchschaut. Das traf mich mehr als meine Liebste, denn Männer wären gern Helden und nicht nur Vaddi, der an lächerlichen Aufgaben schon scheitert.
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