Bevor Thomas etwas antworten konnte, zog Michael Tina hinter sich her über die Straße.
Als sie außer Hörweite waren, keuchte Tina: „Hast du keine Angst, dass er uns sieht, wenn wir vor seinen Augen in diesen Schuppen spazieren?“ Michael grinste keck. „Keine Angst, ich kenne den Nebeneingang.“
Mit gespielter Eile schritten sie am Eingang des Delos Centers vorbei, um dann wenig später in eine schmale Seitengasse abzubiegen. Michael zeigte auf eine unscheinbare Tür. Sie stand offen. Tina huschte eilig durch den rubinroten Vorhang.
Der Eintritt war nicht billig. Durch ein Drehkreuz gelangten sie in einen schwach beleuchteten Flur. Neonschilder wiesen den Weg zu den Kinos. Michael ging zielstrebig voran, bis der Gang in einen großen Raum mündete. Dort standen unzählige Kabinen, immer drei Wand an Wand nebeneinander, dann ein kleiner Durchgang und wieder ein Kabinentrio. Zwischen den unzähligen Kabinen war ein Labyrinth aus engen Gängen, in denen einige Männer umher schlichen. Zum Glück haben die mich noch nicht bemerkt, dachte Tina. Michael ging ein Stück in das Labyrinth hinein und blieb dann vor einer Kabinenreihe stehen. „Hier sind die Kabinen“, sagte er.
Die Türen standen offen und Tina sah einen Sitz und direkt darüber einen Monitor. „Sehr romantisch, lauter kleine Klos“ kicherte sie. „Wie soll man denn den Film sehen, wenn der Fernseher über meinem Kopf ist?“
„Auf der Rückseite der Tür ist ein Spiegel“, antwortete Michael. Tina sah sich die mittlere Kabine etwas genauer an. An den Seitenwänden gab es kleine Türen oder Klappen. „Wofür sind die denn?“
Michael grinste. „Wenn Du möchtest, dass Dein Nachbar Dich sieht, kannst Du das Türchen öffnen. Vorausgesetzt, er hat seins auch aufgemacht.“
„100 Videos in jeder Kabine“ hatte Tina am Eingang gelesen und schaute auf den Monitor. Michael schien ihre Frage erraten zu haben und sagte: „Siehst Du die Knöpfe in der Lehne?
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