C.C.C.

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C.C.C.

C.C.C.

Anita Isiris

Auch meine Feuertulpen mögen sie, klar. „Ey, tulip boobie“, bekomme ich von einem Betrunkenen zu hören. Man sauft, frisst, grapscht, fingert, rülpst und verhält sich auch sonst wie Uncle Sam’s Nachfahren, die nach dem zweiten Weltkrieg Europa „gerettet“ haben sollen und jetzt auch dem Irak den Frieden bringen wollen. Die College-Mädchen sind zum Teil sehr jung und werden immer hemmungsloser; die Jungs immer geiler. Langsam muss ich auf mich aufpassen. Zu vorgerückter Stunde ist es dann so weit: Der C.C.C. wird ausgerufen, und zwar vom Gastgeber. Der College Cunt Contest. Es geht also schlicht und ergreifend darum, die hübscheste, originellste und schönste Muschi auszuwählen. Frauen, die bereit sind, alles zu zeigen, gibt’s hier ja genug. Schlagartig wird es still im Raum; sechzehn weiss überzogene Untersuchungstische auf Rädern werden hereingefahren. Neben mir drückt eine Elvis-Tolle seinem Schätzchen die Hand. Sie entledigt sich ihres Pijamahöschens, geht mit nacktem Hintern nach vorn und klettert auf einen der Tische. Die Beine lässt sie unter Applaus seitwärts herunterbaumeln. Sie hat schulterlange Locken und wirkt wie eine etwas ältere Ausgabe von Shirley Temple. Allmählich werden alle sechzehn Untersuchungstische von Studentinnen besetzt, unter höchster Aufmerksamkeit der Männer, unter Johlen, Grölen und Applaus. Mich schaudert ein wenig. Im Hintergrund ertönt die Stimme von Bruce Springsteen. The River. Die Partygäste versammeln sich vor den Tischen, auf denen die jungen Frauen mit angezogenen oder gespreizten Beinen sitzen. Schlagartig erleuchtet ein Super Trouper (grosser Scheinwerfer) die Szenerie und lässt kein Detail aus. Die Studenten werden zu Experten. Mösenexperten. Nachdenklich gehen sie von Frau zu Frau und schauen nach, was ihre Kommilitoninnen zu bieten haben. Sie liegen jetzt alle auf dem Rücken und ziehen die Beine an. Alles ist bestens ausgeleuchtet, wie in einem Playboy-Fotostudio, nur viel obszöner.

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Gedichte auf den Leib geschrieben